THEATERBREMEN

Premiere: „La Damnation de Faust“ sorgt für Begeisterung

Der Regisseur Paul-Georg Dittrich, dessen Bremer „Wozzeck“-Produktion letztes Jahr für den Theaterpreis DER FAUST nominiert war, inszeniert mit „La Damnation de Faust“ von Hector Berlioz zum zweiten Mal am Theater Bremen. Ebenfalls für diese Arbeit kehrt die Mezzosopranistin Theresa Kronthaler nach Bremen zurück, die hier bereits in der „Carmen“-Titelpartie und als Elisabetta in Donizettis „Maria Stuarda“ das Publikum begeisterte. Neben Theresa Kronthaler als Marguerite wirken die Ensemblemitglieder Christoph Heinrich als Brander, Chris Lysack als Faust und Claudio Otelli in der Rolle des Méphistophélès mit. Die Musikalische Leitung hat Markus Poschner, der in der kommenden Spielzeit als Chefdirigent und Opernchef nach Linz wechselt. Er hat sich Berlioz‘ musikalisch herausfordernde, zwischen Oratorium, Nummernoper und Symphonischer Dichtung changierende ‚Légende dramatique‘ ausdrücklich für seine letzte Neuproduktion als GMD am Theater Bremen gewünscht. Premiere der Produktion ist am Samstag, 18. März um 19.30 Uhr im Theater am Goetheplatz.

Berlioz lernte Goethes „Faust I“ in der Übersetzung Gérard de Nervals kennen und war von dem Stoff auf Anhieb fasziniert. 1828/29 komponierte er zunächst „Huit Scènes de Faust“, die 20 Jahre später in die Komposition der Oper miteinflossen. Inhaltlich unterscheidet sich „La Damnation de Faust“ von der literarischen Vorlage in einigen Punkten, so verlegte Berlioz beispielweise die erste Szene nach Ungarn und den Teufelspakt an das Ende der Handlung. Auffällig sind aber auch die Unterschiede in der Konzeption der Faust-Figur, die bei Berlioz melancholisch, von Selbst-Ekel geplagt, angelegt ist. „In seiner Antriebslosigkeit wahrscheinlich der unfaustischste Faust überhaupt“, meint Dramaturg Ingo Gerlach, der neben den Ausstatterinnen Pia Dederichs und Lena Schmid sowie der Videokünstlerin Jana Findeklee zum Produktionsteam gehört. Dederichs und Schmid konzipierten eine Bühne, die weit in das Parkett ragt und das Geschehen so mitunter zwischen die Zuschauer verlegt, was den von Berlioz in der Komposition angelegten Raum-Klang verstärkt. „Für mich ist Berlioz ein Vorläufer des Surround-Sounds“, merkt Paul-Georg Dittrich hierzu an.
Die konzertante Uraufführung von „La Damnation de Faust“ im Jahr 1846 fiel beim Pariser Publikum durch und stürzte Berlioz gleichermaßen in eine künstlerische und finanzielle Krise. Erst im 20. Jahrhundert wurde die Rezeption wohlwollender, allerdings gehört „La Damnation de Faust“ nach wie vor zu den selten gespielten Werken im Musiktheater. Im Theater am Goetheplatz wird diese aufwendige Produktion acht Mal zu erleben sein.

Paul-Georg Dittrich, geboren 1983 in Königs Wusterhausen, studierte Regie an der Theaterakademie Hamburg und lebt in Berlin. Er inszenierte bisher unter anderem am schauspielfrankfurt, Schauspielhaus Wien, Kampnagel Hamburg, Theater Aachen, und an der Neuköllner Oper Berlin. Im Fokus von Dittrichs Arbeiten steht neben der phantasievollen Einbeziehung von audio-visuellen Medien immer auch die künstlerische Suche nach einer zeitgenössischen Symbiose zwischen Musik- und Sprechtheater. Er versteht es als seine primäre Aufgabe, aus dem Geist der Musik und dem Drama die uns umgebende Wirklichkeit zu hinterfragen. Nach Alban Bergs „Wozzeck“ ist „La Damnation de Faust“ seine zweite Arbeit am Theater Bremen.

„Und dann ist das auch der Abend des Bassbaritons Claudio Otelli als Méphistophélès. Wie er den diabolischen Maître de Plaisir gibt, der alles verspricht und dabei mit zynischer Garstigkeit alles verneint, was seinem Gegenüber lieb und teuer ist, das ist vokal wie darstellerisch umwerfend. […]Auch die Marguerite von Theresa Kronthaler ist begeisternd: ein leuchtender expressiv aufgeladener […] Mezzosopran, […] Und schließlich Chris Lysack in der oft etwas unbequem zwischen den Registern liegenden Titelpartie[…] liefert er eine rollendeckende und hochpräsente Interpretation dieses zerrissenen Genusssüchtigen ab.
Dass die Figuren so fesselnd herüberkamen, ist aber auch das Verdienst der Inszenierung von Paul-Geord Diettrich. Das verdient besonders hervorgehoben zu werden, denn die konzeptionell von einer vertrackten Intelligenz, die den Zuschauern das Nachvollziehen nicht immer leicht macht.“
Detlef Brandenburg, Die Deutsche Bühne, 20. März 2017

Nächste Vorstellung am Mittwoch,den 29. März um 19.30 Uhr, Theater am Goetheplatz
Unser Foto zeigt Theresa Kronthaler und den Chor des Theater Bremen. Copyright: Jörg Landsberg.