THEATERBREMEN

Gelungene Premiere: „Of Coming Tales“

Das kainkollektiv kehrt zurück an das Theater Bremen und entwickelte mit einem interdisziplinären und altersübergreifenden Ensemble eine Märchenmaschinerie der kommenden Fabeln, Phantasmen und Utopien. Die Premiere war am Samstag, 14. April um 19 Uhr, Treffpunkt das Foyer Brauhaus.

Vergangene Spielzeit hat sich das kainkollektiv mit einem tradierten Stoff auseinandergesetzt und mit „Still out there“ die Grimm’schen „Bremer Stadtmusikanten“ einer vielfachen Übermalung unterzogen. Mit Of Coming Tales knüpft das international agierende und interdisziplinär arbeitende Künstlerkollektiv an die Auseinandersetzung mit Mythen und Märchen an, rückt aber diesmal kommende Fabeln und noch zu erzählende Geschichten ins Zentrum der Untersuchung. Das Team um Mirjam Schmuck und Fabian Lettow fragt danach, welche Mythen das Kultur- und Selbstverständnis einer globalisierten Welt spiegeln und in welcher Form diese jungen Menschen vermittelt werden können. „In Zeiten von Online-Streaming Diensten, wie Netflix oder Amazon Prime, ist der Konsum und die Bedeutung von Serien als neue beherrschende Erzähltechnik allgegenwärtig“, sagt Paulina Papenfuß, die die Produktion als Dramaturgin betreut. „Mirjam Schmuck und Fabian Lettow greifen dieses kulturelle Phänomen auf und spinnen es weiter, wenn sie die Welt als Serie erzählen.“ Das Ensemble besteht aus Jungen Akteur*innen, Schauspieler*innen, Tänzer*innen, einem Countertenor, einer Sopranistin, Musiker*innen und einem Videokünstler.

Auf der Suche nach den künftigen Erzählungen, den ‚coming tales‘, lädt das kainkollektiv die Zuschauer*innen ein auf einen Parcours durch Brauhauskeller, Brauhaus, Probebühnen, Hinter- und Lagerräume des Theaters. Dabei wird das Publikum in ein Szenario versetzt, in dem eine totalitäre Macht das Lesen und Verbreiten von (Märchen-)Geschichten zu verbieten sucht. Im Untergrund jedoch formiert sich bereits Widerstand gegen diese alles kontrollierende Macht. „Die Zuschauer*innen werden, während sie von Raum zu Raum gehen, selbst Teil der Installation und zu Kompliz*innen des Widerstandes gegen die Negierung der Geschichte(n)“, sagt Paulina Papenfuß.

Das international agierende Künstlerteam kainkollektiv arbeitet seit 2004 in unterschiedlichen Kollaborationen an theatralen Partituren zwischen Theater, Installation und Performance. Seit einigen Jahren recherchieren, entwickeln und inszenieren sie primär eigene Texte und Szenarien. kainkollektiv arbeitet beständig an seiner eigenen Öffnung und Erweiterung durch den Einbezug unterschiedlicher Künstler*innen, Gruppen und Häusern aus den Bereichen Theater, Musik, Tanz, Bildende Kunst und Neue Medien. Mit „Of Coming Tales“ beschließt das Künstlerteam nach „Still out there“ und „Out of control“ seine zweijährige Kooperation mit JUNGES.THEATERBREMEN, die im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes gefördert wurde.

Und das sagt die Presse:
„Frisch, klug, absolut theatral. […] Wer also erleben möchte, was der überstrapazierte Begriff spartenübergreifendes Theater leisten kann, wenn nicht die Theorie die Oberhand behält, der begebe sich […] unbedingt ins Brauhaus. […] Sounddesign, Ausstattung, Musik, Video, Schauspiel, Tanz, Gesang ergänzen sich bei ‚Of Coming Tales‘ auf wunderbar organische Art und sorgen für das, was Theater sein kann, soll, muss: ein sinnliches wie nachdenklich stimmendes Erlebnis.“ (Iris Hetscher, Weser-Kurier, 16.04.2018)


Unser Foto zeigt (v.l.): Julian Anatol Schneider, Meret Mundwiler, Kerstin Pohle (hinten), Christoph Vetter und Florian Lauss.
Foto und Copyright: Jörg Landsberg.