THEATERBREMEN

Premiere „Il tabarro & Gianni Schicchi”

Aus drei mach zwei: Das junge Team um Regisseur Martin G. Berger löst die Einakter „Il tabarro“ und „Gianni Schicchi“ aus Puccinis Opernzyklus „Il trittico“ heraus und verquickt sie zu einer Film Noir-inspirierten Stück-in-Stück-Produktion. Die Musikalische Leitung hat Hartmut Keil, der ebenso wie Martin G. Berger, erstmals am Theater Bremen arbeitet. Karten für alle Vorstellungen sind zum Einheitspreis von 25 Euro erhältlich. Die Premiere findet am Ostersonntag um 18 Uhr im Theater am Goetheplatz statt.

„Il tabarro & Gianni Schicchi“ ist ein großer Ensemble-Abend, unter anderem mit Patricia Andress, Christian-Andreas Engelhardt, Kammersänger Loren Lang, Nathalie Mittelbach, Nerita Pokvytytė, Luis Olivares Sandoval und Patrick Zielke. Neben den Solistinnen und Solisten des Musiktheaters wird der Schauspieler, Kabarettist, Regisseur und Mitbegründer des „theatre du pain“ Mateng Pollkläsener in der Rolle des eigentlich toten Buoso Donati agieren.

Auf den ersten Blick erscheinen die beiden Einakter vor allem als Gegensätze: „Gianni Schicchi“, die quirlige Schelmenkomödie um einen Testamentsbetrug und das düstere, tödlich endende Beziehungsdrama „Il tabarro“, in dem der sprichwörtliche Mantel des Schweigens über das Erbe der Vergangenheit geworfen wird. Regisseur Martin G. Berger fokussiert sich in seiner ersten Regiearbeit am Theater Bremen aber hauptsächlich auf die Gemeinsamkeiten der beiden Werke. Beide Einakter seien in der Wirklichkeit verhaftete, sozialkritische Miniaturen: „In beiden Opern werden starke Hierarchien zwischen Arm und Reich, Fremdem und Eigenem erzählt – das sind Themen, die in unserer Welt gerade eine große Rolle spielen“, so der Regisseur. In seiner Inszenierung wird „Gianni Schicchi“ zur Rahmenhandlung, in der ein Künstlerkollektiv den sozialkritischen Film „Il tabarro“ über die ungerechten Verhältnisse der Gesellschaft dreht. Als der Geldgeber der Filmcrew Buoso Donati jedoch stirbt und sein Geld an karitative Organisationen vererbt, wird die doppelte Moral der Crew entlarvt, denn plötzlich tritt der Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit hinter der eigenen Angst, finanziell übervorteilt zu werden, zurück.
Im Spannungsfeld zwischen Milieudrama und schwarzer Komödie, zwischen Puccinis veristischer Musik und der stark medial geprägten Inszenierung von Martin G. Berger – der Film „Il tabarro“ wird während der Vorstellung live gedreht – treten die beiden Einakter „Il tabarro“ und „Gianni Schicchi“ in einen spannenden Dialog. Das Bühnenbild von Sarah-Katharina Karl erinnert bewusst an den Filmklassiker „La piscine“ („Der Swimmingpool“) mit Romy Schneider und Alain Delon, denn auch dort schwelt ein lange unausgesprochener Paarkonflikt, der vor allem durch Blicke ausgetragen wird. Dies gilt auch für Bergers Inszenierung: „Das Filmset ermöglicht es uns, unglaublich genau die intensiven Blicke, mit denen sich Giorgetta und Michele beobachten, auszuloten.“

Martin G. Berger, geboren 1987 in Berlin, ist Regisseur, Autor, Performer und Übersetzer. Von 2009 bis 2011 war er als Regieassistent und Abendspielleiter fest an der Oper Dortmund engagiert, bevor er im Anschluss in selber Position an die Staatsoper Hannover wechselte. Dort erhielt er für seine Inszenierung „Die Fledermaus“ im großen Haus der Staatsoper Hannover 2015 den Karan-Armstrong-Preis der Götz-Friedrich-Stiftung. Auch in der Freien Szene machte Berger sich mit seinem eigenen Label „hier:Leben“ einen Namen. Mit Puccinis Einaktern „Il tabarro & Gianni Schicchi“ zeigt er seine erste Arbeit am Theater Bremen.

"[…] Bewundernswert, wie jeder Charakter vollkommen durchgezeichnet erscheint […] Berger gelingt es, die Bösartigkeit der Menschen hinter virtuosem Gepolter freizulegen und auch den Utopien wie dem großen Liebesduett Raum zu verschaffen, das Nerita Pokvytytė und Luis Olivares Sandoval herrlich singen […] " Ute Schalz-Laurenze, Kreiszeitung am 18. April 2017

Unser Foto zeigt : Nerita Pokvytyte, Loren Lang, Anna-Maria Torkel, Birger Radde, Martin Busen, Patricia Andress, Christian-Andreas Engelhardt, Luis Olivares Sandoval, Nathalie Mittelbach, Mateng Pollkläsener, Patrick Zielke
Foto und Copyright: Jörg Landsberg.