THEATERBREMEN

Kleines Haus / Premiere / ausverkauft (eventuell Restkarten an der Abendkasse)

Dantons Tod

Ein postkoloniales Theaterstück nach
Georg Büchner von Gintersdorfer/Klaßen
im Anschluss Premierenfeier

„Die Ästhetik des Volkes ist erbarmungslos natürlich, also Kampf, entschlossen, klar, inhuman, vital. Wer das Volk nicht versteht, versteht nichts von der Welt.“ (Rainald ­Goetz) — Die Französische Revolution ist der Gründungsmythos des modernen Europa. Sie ist der Entstehungsmoment der Menschen- und Bürgerrechte für weiße Männer (1789) und freie farbige Männer (1792). Wenn heute von den Maximen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit die Rede ist, wird der Durchsetzungsterror der Guillotine als historisches Erbe nicht mitformuliert. Im Gegenteil: die Werte des Westens werden von ihrer gewaltvollen Geschichte abstrahiert und als Legitimation benutzt, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen externe Kräfte und Terror vorzugehen. „Dantons Tod"erinnert an die Bindung des politischen Denkens und Handelns an den angreifbaren Körper jedes einzelnen. Das Sprechen über Sinnlichkeit und Imaginationen des physischen Schmerzes durchdringen bei Büchners Figuren das politische Sprechen. Das ivorisch-deutsche Performance-Team Gintersdorfer/Klaßen hat in den letzten Jahren kontinuierlich Abende für das Theater Bremen entwickelt. Zusammen mit dem Schauspiel­ensemble werden sie nun den Doppelzustand von Rhetorik und Physis erkunden und in die Körper treiben.

Dauer: ca 2 Stunden, keine Pause

Termine / Karten

Besetzung

Fotos

Pressestimmen

„Diese Kunstform, politisches Feuilleton in einer nachvollziehbaren Sprache auf die Bühne zu bringen, sie quasi in die heutigen Münder hineinzuformulieren, entwickelt an diesem Abend viele eindrucksvolle Momente“
Sven Garbade, Weser Kurier, 17.09.2016

„Nein, ‚Dantons Tod‘ ist in seiner neuesten Bremer Fassung nicht einfach nur eine weitere Büchner-Inszenierung. Es ist auch kein postdramtatischer Transfer in die Gegenwart, etwa um widerständige Potenziale abzuklopfen. Ein bisschen auch. Aber es ist größer als das.“
Rolf Stein, Kreiszeitung, 17.09.2016

„Die Bühnenwände zeigen Bilder aus Geschichtsbüchern, Selbstdarstellungsfotos, ein Joy Division-Cover sowie Jahreszahlen und Worte,die dank klobiger Schrifttype unleserlich sind und so keine Zusammenhänge erhellen. Das scheint Konzept zu sein, nämlich unmoderiert möglichst viele Spots zu werfen auf überreichlich Themen,Thesen, Temperamente aus dem Spannungsfeld: Französische Revolution einst bis jetzt.“
Jens Fischer, Nachtkritik, 16.09.2016

„Fantastisch schamlos spielt Matthieu Svetchine seine den Normen männlicher Schönheit nicht unterworfene Körperlichkeit aus. Er lässt sich in den Schluffi Danton verwandeln, den Büchner in die Zwangsjacke des Geschichtsfatalismus sperrt.
Und er flippt völlig aus, vor Fremdscham, während er, scheinbar wieder ganz in Matthieu Svetchine verwandelt, über eine Rede von Nicolas Sarkozy berichtet, die dieser kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten in Senegal gehalten hatte – und wirkt als hätte er Hermann Lübke überbieten wollen. […] Großartig auch die Momente der Aneignung: Irene Kleinschmidt, die man sonst eher als Spezialistin für zurückgenommene Rollen im Sprechtheater wahrgenommen hat (wenn überhaupt), entwickelt eine ungeahnt intensive Präsenz in der Imitation der Moves von Gotta Depri.“
Benno Schirrmeister, taz, 17.09.2016