THEATERBREMEN

Kleines Haus

3000 Euro

nach dem Roman von Thomas Melle

„Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb, sie konnten beisammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief.“ — Grundschullehrerin wollte Denise werden. Und Anton? Anton hat vielleicht einmal davon geträumt, Anwalt zu sein, mit eigener Kanzlei und Familie. Das ganze Spek­trum der bürgerlichen Existenz hätte das Seine werden können. Anton hat aber kein Zuhause. Er ist obdachlos, verschuldet und dem Alkohol verfallen. Denise ist eine junge, alleinerziehende Mutter und Kassiererin in dem Discounter, in dem Anton regelmäßig seine Pfandbons in Tiefkühlpizza umtauscht. Eine unmöglich scheinenden Begegnung nimmt ihren Lauf. Zwischen beiden steht dabei stets das Geld, denn Denise hat die 3000 Euro, genau die Summe, die Anton fehlt. Beide versuchen dennoch, die romantische Begegnung möglich zu machen, denn was bleibt schon, wenn auch die Hoffnung zu sterben droht? Am Ende nur der Traum. Oder die Erinnerung an etwas nie Dagewesenes.

Dauer: ca. 2 Stunden 15 Minuten, eine Pause

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Besetzung

Fotos

Pressestimmen

„Anne Sophie Domenz (Regie und Bühne) entfaltet auch in ihrer zweiten Inszenierung am Kleinen Haus (nach dem Schiller-Trauerspiel „Maria Stuart“ im Juni 2014) eine staunenswerte Suggestivkraft. Nicht nur, aber auch bezüglich der Ausstattung: Eine riesige Hüpfburg in einem besonders scheußlichen Grünton und mit besonders scheußlichen Ungeheuerköpfen setzt sie dem Publikum vor. Im Hintergrund fließt und rinnt und tröpfelt in Gestalt von Videoprojektionen (Jonas Alsleben) Flüssigkeit die Stellwände herab.“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 10. Mai 2015

„Auf einer riesigen Hüpfburg (Bühne: Domenz), deren alienartige Gummiwesen allerdings mehr an Geisterbahn denken lassen als an Kindergeburtstag, rennen die Laien-Pornodarstellerin Denise (Nadine Geyersbach) und der gefallene Jurist Anton (Paul Matzke) gegen die so harten wie flexiblen Gummiwände der Gesellschaft an. Es sind die unsichtbaren Grenzen, mit denen sich das Bürgertum gegen die Verlierer zur Wehr setzt.“
Johannes Bruggaier, Kreiszeitung, 10. Mai 2015

„Man bewegt sich anders im öffentlichen Raum, wenn man ein Minus auf dem Konto hat. Man bewegt sich auch anders im öffentlichen Raum, wenn der eigene Körper dieser Öffentlichkeit womöglich aus Pornofilmchen im Internet bekannt ist. Eine vermeintlich liberale Gesellschaft, die gelernt hat, ihre Standesgrenzen mit Blicken zu ziehen statt mit Adelstiteln, und ein Paar, das sich aus der Angst vor diesen Blicken zusammenfindet.“
Johannes Bruggaier, Kreiszeitung, 10. Mai 2015

„Wegen 3000 Euro Schulden fühlt Anton sich "aus dem System gekegelt". Ist aber nicht bereit, Hilfe oder Arbeit anzunehmen. Nölt lieber prätentiöse Monologe und verrenkt sich zu schlagerschlichten Liedchen. Immer schön den Märtyrer raushängen lassen. Anton ist ganz unten. Während Denise sich mit ihrer Armutsexistenz nicht abfindet. Sie war noch niemals in New York und will das ändern – schreckt aus purer Geldnot auch vor einem nebenberuflichen Einsatz als Pornodarstellerin nicht zurück. 3000 Euro soll sie dafür bekommen. So passt sie finanziell ideal zu Anton.“
Jens Fischer, Nachtkritik, 8. Mai 2015

„Die dringend unter Überkonstruktionsverdacht stehende Geschichte um 3000 Euro, die Anton dringend braucht und die Denise ins Haus stehen, ist das Produkt eines fantasiebegabten Autors. Beziehungsweise dessen Illustration durch eine erfreulich bildmächtige Regisseurin.“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 10. Mai 2015

„"Das Problem ist nicht das Leben, das Problem sind die Träume", das ist so ein Satz, der hängen bleiben kann, nach einem Besuch von Anne Sophie Domenz' Inszenierung von "3000 Euro" im Kleinen Haus des Bremer Theaters. Weil er natürlich das Gegenteil von dem meint, was er sagt.“
Andreas Schnell, taz, 12. Mai 2015

„Die Hüpfburg, die die Bühne (Anne Sophie Domenz) beinahe ausfüllt und sich zu Beginn des Abends langsam aufpumpt, das ist ein tolles Bild. Es entwickelt seine Kraft langsam, ist ihr eigener Kontext und Kommentar. Und als die Hüpfburg in sich zusammensackt, nachdem Denise Anton gestanden hat, nach langem Versteckspiel, dass sie ihn "gut findet", die beiden sich verlieren zwischen erschlaffenden Türmchen, ist das ein intensiver Moment eines Abends“
Andreas Schnell, taz, 12. Mai 2015


„Sehr wendige Ensemblemitglieder, die sich passioniert in den schönen Ruinen seiner Prosa und in den Abgründen der allegorischen Hüpfburg wälzten (es hätte wohl auch ein Ponyhof oder eine Baustelle sein können). Paul Matzke ist als Anton ein agiler Sophist, der seine höchste Geldnot in hörenswerte Bonmots ummünzt. Nadine Geyersbach, die erst vor gut zwei Wochen die zweite Hauptrolle der Denise übernommen hatte, gibt überzeugend, ja phasenweise anrührend eine prekäre Kodderschnauze, die ihre empfindsamen Selbstzweifel nur unzureichend verbergen kann. Wohltuend selten driften die Akteure in ironiefreien Sozialkitsch ab.“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 10. Mai 2015

„In diversen Nebenrollen verkörpern die wandelbaren Schauspieler Annemaaike Bakker, Alexander Swoboda und Andy Zondag in ziemlich schrägen Kostümen (gut geschneidert, Julia Borchert!) ziemlich schräge Typen. Das Kind Carola Marschhausen, das schon bei den Jungen Akteuren begeisterte, spricht bravourös den Epilog.“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 10. Mai 2015