THEATERBREMEN

Kleines Haus

Der Idiot

nach dem Roman von Fjodor Dostojewski

„Leisten Sie Widerstand, sobald Sie nicht einverstanden sind.“ (Harald Welzer) — Die Welt harmonisch gestalten, an das Wir glauben, der eigenen Empathie keine Grenzen setzen – kann das heutzutage nur noch ein Idiot wollen? „Die gesamte Bewegung des Buches gleicht einem ungeheuren Kratereinsturz“, schrieb Walter Benjamin über den existenziellen Außenseiterroman. Im Mittelpunkt steht Fürst Myschkin, ein russischer Don Quijote, der von einem Sanatoriumsaufenthalt in seine Heimat zurückkehrt. Im Zug lernt er den Kaufmann Rogoschin kennen, der ihn in sein Leben hineinzieht: Aus den auf ihn zustürzenden Schicksalen kann sich Myschkin nicht mehr befreien – „alles muss geklärt werden, damit jeder in der Seele des anderen deutlich lesen kann, damit alles frei wird und licht!“. Für die Anderen ist Myschkins Andersdenken begehrenswert und gefährlich zugleich. Schließlich wird ihn niemand ertragen: „Genug geschwärmt, es wird Zeit, auf die Vernunft zu hören.“ Er muss vereinnahmt und vernichtet werden. Sich selbst können sie nur bewahren, indem sie dem „Idioten“ fernbleiben.

Dauer: 3 Stunden 30 Minuten, eine Pause

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Pressestimmen

„Das Ringen der Hauptfigur Fürst Myschkin um Harmonie, Wertschätzung und Liebe in einer Welt voller Egoismus, Hader und Missgunst gibt der Inszenierung von Frank Abt einen zeitlosen aktuellen Bezug. Der Schauspieler Alexander Swoboda interpretiert Fürst Myschkin in der Bremer Inszenierung großartig.“
Uwe Dammann, Weser Kurier, 13. Dezember 2014

„Matthieu Svetchine gelingt das, der als hinterfotziger Lebedew erst vor Servilität kaum geradestehen kann, aber immer wieder im geeigneten Moment die Maske der Servilität fallen lässt, Justus Ritter schafft es, besorgniserregend schlotternd, als schwindsüchtiger Ippolit, der sich von Myschkin Geld erhofft. Und Nadine Geyersbach glänzt als Nastassja Filippowna, die als großzügig abgefundene Mätresse des Kapitalisten Tozkij einerseits (das Geld) eine gute Partie, andererseits moralisch natürlich schwer tragbar ist, woraus sich eine unheilvolle Gemengelage aus Selbstverachtung, Skrupellosigkeit, Verachtung der verlogenen Gesellschaft und der Erkenntnis ergibt, dass der einzige Weg für sie doch der wäre, nach denselben Regeln zu spielen. Erwähnten wir bereits Geld? Mit fast beängstigender Intensität spürt Geyersbach den Tiefen ihrer Figur nach und findet darin die Traumata einer menschlichen Seele. Das allein ist schon Grund genug, diesen Abend zu sehen..“
Andreas Schnell, Taz, 13. Dezember 2014

„In Bremen gibt Alexander Swoboda den Myschkin, einer, von dem zu erwarten ist, dass er daraus etwas Großes macht. Und das gelingt ihm […] Nein, es ist, bei aller Länge (dreieinhalb Stunden immerhin) kein langweiliger Abend.“
Andreas Schnell, Taz, 13. Dezember 2014