THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

Der Kirschgarten

von Anton Tschechow

„Wir haben kein Geld? Dann besorgen wir uns eben eines.“ (Rainald Goetz) — Die kleine Gesellschaft um die Gutsbesitzerin Ljubow Andrejewna Ranjewskaja hat über ihre Verhältnisse gelebt. Nun soll ihr Kirschgarten versteigert werden. Ranjewskaja selbst ist mittellos aus Paris zurückkehrt, wohin sie vor einem Schicksalsschlag in die Arme eines Mannes geflohen war, ihr Bruder Gajew wiederum wusste in der Zwischenzeit nicht, das Gut zu bewirtschaften. Die Liebe, das Leben mag ihnen nicht gelingen, die eigene Vergangenheit ist unleserlich geworden, eine gemeinsame Vision für die Zukunft fehlt. Sie wissen, sie müssen etwas unternehmen, aber was? Etwa dem Vorschlag Lopachins folgen und: Bäume ab und Ferienhäuser drauf? Was ist ihnen der Kirschgarten wert jenseits des Werts, von dem dieser Kaufmann spricht? Bzw. worin müssten sie investieren, ihn zu bewahren, wie teuer müsste er ihnen sein? Oder könnte sich nicht doch noch alles in Wohlgefallen auflösen, ganz von allein?

Dauer: ca. 3 Stunden, eine Pause

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Pressestimmen

„Gastregisseurin Alize Zandwijk aus Rotterdam interessiert sich in ihrer zweiten Inszenierung am Bremer Theater für den verhaltenspsychologischen Kern des Stücks und zeigt was man sich selbst und anderen antut, wenn man keine Stellung bezieht und Entscheidungen verweigert. Das gelingt Zandwijk ganz hervorragend. (…) All diese Zutaten tragen dazu bei, dass dieser ‚Kirschgarten‘ vor allem nach der Pause endgültig unter die Haut geht.“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 14. Dezember 2013

„Sich aufdrängende politische Lesarten der Handlung führen in die Irre. Deklassierung und die Zeitenwende zum Bürgertum sind nur Hintergrund komplexer Charakterstudien gebrochener Persönlichkeiten, die auch Zandwijks Inszenierung überzeugend erforscht. Sie verdrängen den drohenden Untergang, albern herum und erzählen Geschichten von früher. Aber alle kommen an ihre Grenzen, brechen zusammen und scheitern höchst eindrucksvoll am Versuch, Haltung zu bewahren.“
Jan-Paul Koopmann, taz, 14./15. Dezember 2013

„Ohnehin ist es großartig, in welchem Facettenreichtum die Vorstellung der Freiheit zur Geltung kommt. Etwa in der Annäherung des ewigen Studenten Pjotr Trofimow (Johannes Kühn) und Andrejewnas Tochter Anja. (…) Johannes Kühn und Annemaaike Bakker spielen das mit einem beeindruckenden Gespür für die mentale Herkunft ihrer jeweiligen Figur.“
Johannes Bruggaier, Kreiszeitung, 14. Dezember 2013

„Überhaupt gelingt es dem Ensemble aufs Eindrucksvollste, dieses so farbenreiche Panorama der Sehnsüchte und Gefühle vor Diffusion zu bewahren. (…) Herausragend, wie Geyersbach diese Figur [Warja] an ihrer eigenen Kopflastigkeit verzweifeln lässt. Wunderbar auch, wie Lopachin in Robin Sondermanns Spiel zwischen Unter-, Über- und Verlegenheit schwankt. Irene Kleinschmidt überzeugt derweil als Andrejewna mit sprödem Charme.“
Johannes Bruggaier, Kreiszeitung, 14. Dezember 2013

„Das einem die drei Stunden nicht lang werden, ist auch ein Beleg für die Stärke des Bremer Ensembles, das hier gut bis hinreißend agiert, allen voran Irene Kleinschmidt als Gutsbesitzerin und Robin Sondermann als Lopachin, dem Kaufmann mit bäuerlichem Hintergrund, der als behutsamer Modernisierer zwar schließlich ökonomisch triumphiert, aber menschlich scheitert. Am Ende gab es großen Applaus.“
Andreas Schnell, Nordwest Zeitung online, 14. Dezember 2013

„Die Stimmung der untergehenden russischen Gesellschaft im Zarenreich bleibt trotz gelegentlichen Klamauks in der effektvoll arrangierten Bühnenszenerie spürbar. (…) Das Premierenpublikum dankte für die eindrucksvolle Regie und die schauspielerische Leistung mit begeistertem Applaus.“
Christine Gorny, Nordwestradio, 13. Dezember 2013

„Alize Zandwijk setzt vor allem auf die Atmosphäre des in nobler Untüchtigkeit verblühenden Lebens. Wunderzart anspielungsreich entwirft Multiinstrumentalistin Maartje Teussink dazu ihren stupsnasigen Liedermacherkosmos, führt Stimmungen ein, verdichtet sie, entwickelt weiter, differenziert. Das Ensemble erforscht währenddessen fast durchweg überzeugend heißspornig die tragikomischen Rollen. Einfühlungstheater mit hohem Empathiemehrwert fürs Publikum.“
Jens Fischer, nachtkritik.de, 13. Dezember 2013