THEATERBREMEN

Plenarsaal der Bürgerschaft

Die Ermittlung von Peter Weiss

50 Jahre Frankfurter Auschwitz-Prozesse
Lesung mit Bremer PolitikerInnen und BürgerInnen
und dem Schauspielensemble
Eine Veranstaltung der Bremischen
Bürgerschaft und des Theater Bremen
im Plenarsaal der Bürgerschaft

Die Frankfurter Auschwitzprozesse haben das ganze Land mit seiner NS-Geschichte konfrontiert, haben die politische Stimmung der BRD der 60er Jahre geprägt und die Frage nach Schuld, Vergebung und Vergeltung gestellt. Das dokumentarisch Theaterstück Die Ermittlung verdichtet die Prozessakten zum einem Oratorium des Schreckens und ist bahnbrechend für die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer künstlerischen Auseinandersetzung nach Auschwitz.
In 183 Verhandlungstagen hörten drei Richter und sechs Geschworene 375 Zeugen an, vier Staatsanwälte, drei Nebenklagevertreter 22 Angeklagte und 19 Verteidiger. Als Beobachter und Chronist saß Peter Weiss dem Prozess bei und destillierte daraus seinen Theatertext in elf Gesängen. Immer im Bewusstsein: die teilnehmenden Menschen lassen sich nicht verkörpern, weder das Gericht halten über das Grauen, noch das Grauen selbst ist darstellbar. Die Aussagen der Zeugen, das Reden und Schweigen der Angeklagten und ihrer Verteidiger, die Sprache der Juristen, sprechen für sich. Im 100. Geburtstagsjahr von Peter Weiss, der seine Kindheit in Bremen verbrachte, bevor er seinen langen Fluchtweg durch Europa antrat, wird der Plenarsaal der Bürgerschaft zum Ort der kollektiven Erinnerung. Dort wo gegenwärtiges Zusammenleben verhandelt und Zukunft politisch entworfen wird, im Herzen der Stadtgemeinschaft, der öffentlichen, demokratischen Auseinandersetzung erklingt Peter Weiss’ „Ermittlung“. Als verstörendes, erschütterndes Zeugnis dunkelster deutscher Vergangenheit, als Mahnung zur Wachsamkeit, als Aufforderung Gesellschaft respektvoll und human zu gestalten.
In Bremen wird Die Ermittlung von Ralf Siebelt eingerichtet und von Ensemblemitgliedern des Theater Bremen, Abgeordneten der Bürgerschaft, sowie Bremer Bürgerinnen und Bürgern gelesen. Immer wieder hat der Regisseur Ralf Siebelt den öffentlichen Raum für Theaterprojekte genutzt, hat in Hamburg, Aalen und Tübingen politische Diskurse an besonderen Spielorten entfacht – in Ämtern, Rathäusern, Justizvollzugsanstalten Theater gemacht.

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