THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

Juliette

Lyrische Oper in drei Akten von Bohuslav Martinů
Text vom Komponisten nach dem Stück Juliette
ou la clé des songes von Georges Neveux

„Vorstellung und Phantasien stürmen unentwegt auf die Erinnerung ein, und da wir versucht sind, der Realität des Imaginären zu glauben, machen wir schließlich aus unserer Lüge eine Wahrheit. Was übrigens auch nur von relativer Bedeutung ist, denn beide sind ebenso gelebt, ebenso persönlich.“ (Luis Buñuel) — Die Erinnerung an eine junge Frau treibt Michel nach drei Jahren zurück in eine kleine Stadt am Meer. Dort trifft er auf eine Gesellschaft, die ihr Gedächtnis verloren hat. Auf der Suche nach Juliette, so der Name der Ersehnten, verliert sich Michel immer tiefer in eine surreale Traumwelt, in der sich seine vermeintlich verlässliche Realität nach und nach auflöst. Bohuslav Martinů gehört mit Leoš Janáček zu den wichtigsten tschechischen Opernkomponisten des 20. Jahrhunderts. In seinem 1938 uraufgeführten „Traumbuch“ Juliette greift er Janáčeks Musiksprache ebenso auf wie das impressionistische Idiom Debussys und stellt die Frage nach der Bedeutung der Erinnerung und Geschichte für unsere Identität.

Dauer: 3 Stunden, Pausen nach Akt I und II

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Pressestimmen

„Regisseur John Fulljames und Ausstatterin Johanna Pfau spiegeln in ihrer Inszenierung kunstvoll und kurzweilig die surreale Welt und die heikle Gratwanderung zwischen Realität und Fiktion. (…) Die Haupt-Partien Juliette und Michel waren exzellent besetzt. Mezzosopranistin Nadja Stefanoff hatte verführerische Farbfacetten, und Tenor Hyojong Kim vermittelte die Zartheit, Unschuld und Verwirrtheit der Figur sehr differenziert, mit ungeheuer lyrischem Ausdruck. (…) Nach Vivaldis ORLANDO FURIOSO oder Puccinis LA BOHEME ist Martinus JULIETTE ein weiterer Volltreffer.“
Elisabeth Richter, NDR Kultur, 30. März 2014

„Gesungen wird ausgezeichnet, allen voran der schlanke und klare Tenor Hyojong Kim als verliebter Michel mit lyrischer Legato-Kultur, dem auch beträchtliche Forte-Strahlkraft zur Verfügung steht. Nadja Stefanoff ist eine leuchtend vitale Juliette (…). Im großen Ensemble bleiben Loren Lang (Mann mit Helm, Erinnerungsverkäufer, Sträfling), Christian-Andreas Engelhardt (Kommissar/Briefträger, Beamter im Traumbüro), Christoph Heinrich (Alter Araber, Alter Mann, Alter Matrose) und Ulrike Mayer (Kleiner Araber, Handleser, Hotelboy) prägnant in Erinnerung. (…) Am Ende begeisterter Applaus.“
Detlef Brandenburg, Deutsche Bühne, 30. März 2014

„Regisseur John Fulljames hat für den stark vom Surrealismus geprägten Stoff am Großen Haus großartige Bilder erfunden – und dabei dem Begriff der Tür, die in eine andere Welt oder eine andere Bewusstseinsstufe führen kann, eine zentrale Rolle zugewiesen. (…) Vor diesem symbolisch aufgeladenen Hintergrund lässt Fulljames das Ensemble mitunter agieren wie im gruseligen Puppentheater des Grand Guignol. (…) Hyojong Kim gelingt es mit seiner wandlungsfähigen Tenorstimme alle Abstufungen der langsamen Verzweiflung Michels zum Klingen zu bringen und den anspruchsvollen Sprechgesang der Oper zu bewältigen. Gleiches gilt für Nadja Stefanoff, die ihren kräftigen Sopran für die Juliette mal strahlen lässt, mal kokett boshaft, dann wieder weich und desorientiert werden lässt. Dem Ensemble insgesamt kann man nur Achtung zollen für die gesanglichen wie auch darstellerischen Leistungen.“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 31. März 2014

„Es sind drei Stunden, die sich mit der Thematik des Vergessens beschäftigen, die sich aber zu einem unvergesslichen Opernabend im Bremer Theater verdichten. Regisseur John Fulljames ist eine geradezu exemplarische Inszenierung gelungen, die das Surreale, das Traumhafte und Traumatische, die (auch vorhandene) Komik und die Poesie des Werkes facettenreich aufgefächert hat.“
Wolfgang Denker, Nordwest Zeitung , 31. März 2014

„Es ist dem Team – neben Fulljames die Ausstattung von Johanna Pfau und ganz wichtig das Video sowie das Licht von Ian William Galloway und Joachim Grindel – wahrhaftig gelungen, diese Traumwelt auf der Basis eines geheimnisvoll beleuchteten Hotels herzustellen. Auch ist die Körpersprache der Darsteller wunderbar doppeldeutig: allen voran Nadja Stefanoff als Juliette, von der man bis zum Schluss eben nicht weiß, ob sie eine Fiktion oder eine Realität ist. Hyojong Kim als Michel bewältigt vor allem sängerisch überragend seine Riesenpartie. (…) Glänzend auch das Ensemble in dem alle mehrere Rollen singen (…). Die Absurditäten, in denen ‚alles Reale fiktiv erscheint und Fiktionen die Gestalt von Realität haben‘ – so der Komponist –, präsentiert dieses Ensemble mitreißend.“
Ute Schalz-Laurenze, Kreiszeitung, 31. März 2014

„Diese Produktion ist in zweierlei Hinsicht geeignet, Martinus Opernschaffen dem Vergessen zu entreißen. Zum einen überzeugt sie durch eine packende Inszenierung, zum anderen kommt Martinus Klangvielfalt in der musikalischen Umsetzung hervorragend zum Ausdruck.“
Thomas Molke, Online Musik Magazin, 30. März 2014

„Grandios greifen Regisseur John Fulljames und Bühnenbildnerin Johanna Pfau die Surrealität der Handlung in ebenso rätselhaften wie symbolträchtigen und ästhetischen Bühnenbildern auf. Clemens Heil am Pult und die Bremer Philharmoniker präsentieren sich in gewohnt bestechender Form. Auch die Gesangssolisten, zumal Hyojong Kim und Nadja Stefanoff (Juliette), tragen maßgeblich zum hohen Niveau dieser Vorstellung bei.“
Alexander Schnackenburg, Delmenhorster Kreisblatt, 30. März 2014