THEATERBREMEN

Moks

Oedipus

von Oscar van Woensel
Deutsch von Monika The
Deutschsprachige Erstaufführung

„The past is just a story we tell ourselves.“ (Spike Jonze) — Ödipus, der wohl bekannteste Unerlöste der griechischen Mythologie, tut sich schwer, das Rätsel seines eigenen Lebens zu durchschauen. Um sein Land vor einer grausamen Pestseuche zu retten, muss der junge König das Verbrechen an seinem Vorgänger Laios aufklären und dessen Mörder bestrafen. Seine Ermittlungen werden zum dramatischen Erkenntnisprozess: Er selbst hat Laios getötet, der zudem sein Vater war und jetzt ist er mit Iokaste, seiner Mutter, verheiratet. Als er erkennt, dass die Suche nach dem Urheber des Unheils mit der Suche nach der eigenen Identität zusammenfällt, sticht er sich die Augen aus.
Der niederländische Autor Oscar van Woensel verbindet in seiner „Oedipus“-Bearbeitung Sophokles Tragödien „König Ödipus“ und „Ödipus auf Kolonos“ und somit zwei Lebensalter des Helden. Schuld und/oder Sühne, Schicksal und/oder Selbstverantwortung, Erkenntnis und/oder Verblendung? Haben wir eine Wahl? Der unaufhörlich raunende Fragen-Chor in Woensels Werk nimmt uns in die Pflicht: „Wer bist du? Wer bin ich? Wer sind wir? Wer glauben wir zu sein? Wer erklären wir zu sein? Was verursacht, dass wir sind, wer wir sind? Sind wir, wer wir sind? Oder wird uns gesagt, wer wir sind?“

Dauer: ca. 2 Stunden, keine Pause

Termine / Karten

Besetzung

Fotos

Pressestimmen

„König Ödipus rettet in Bremen vom Sofa aus die Welt.“
Johannes Bruggaier, Kreiszeitung, 29. September 2014
„Es ist ein Wahnsinn, was sich mit diesem Drama alles anstellen lässt, selbst als Kammerspiel auf Ledersofa vermag es, sein Publikum aus den alltäglich eingeübten Scheingewissheiten zu reißen.“
Johannes Bruggaier, Kreiszeitung, 29. September 2014

„Die Wucht dieses Stoffes kommt im kleinen Mokstheater besonders zur Geltung, weil die Zuschauer das Geschehen viel dichter erleben. Überdies sorgt das Bühnenbild für eine private Wohnzimmeratmosphäre, in der sich dann die psychischen Abgründe auftun.“
Christine Gorny, Radio Bremen, 29. September 2014

„Frank Abt inszeniert das Drama karg: eine Ledercouch, ein Teppich, ein Wandbild einer glücklichen Familie. Mehr nicht. Und doch sagt es alles. Ein intensiver Abend und ein starkes Ensemble.“
Corinna Laubauch, Bild, 2. Oktober 2014

„Das Stück erzählt lässig die Geschichte vom alten Mythos in moderner Sprache. Die Szenen wirken entlüftet, unverdruckst und mundgerecht, manchmal auch wie improvisiert. Das klingt meistens gut, denn so spricht man tatsächlich heute außerhalb von Theatern. Und von allen Spielern wird diese Sprechkultur, der Reichtum an natürlichen Ausdrucksformen überzeugend beherzigt. So kommt die Aufführung gleichwohl für junge Erwachsene wir für alte Tragödien-Kenner ansprechend herüber.“
Sven Garbade, Weser Kurier, 29. September 2014

„Die darstellerischen Leistungen sind an diesem Abend solide, zu überzeugen vermögen insbesondere Justus Ritter als naiv stolzes Kerlchen und Lisa Guth, deren Iokaste dessen Glauben an den eigenen Verstand so etwas wie emotionale Intelligenz entgegensetzt. Zu nennen sind ferner Gabriele Möller-Lukasz sowie Verena Reichhardt, die in Nebenrollen mal Ödipus’ Töchter, mal Bedienstete des Hofes spielen – Letzteres mit viel Sinn für das komödiantische Potenzial.“
Johannes Bruggaier, Kreiszeitung, 29. September 2014

„Besonders hübsch gelingen die Szenen von Iokaste, gespielt von Lisa Gut, wie sie voller Liebesglanz in den Augen den jungen Oedipus umschmeichelt. Auch Karin Enzler hat großartige Momente, wie sie als Kreon in die Szene spaziert und einzig der Kraft des milden Wortes Raum gibt.“
Sven Garbade, Weser Kurier, 29. September 2014

„Im zweiten Teil, der sich an Sophokles Tragödie ‚Ödipus auf Kolonos‘ orientiert, muss unser geblendeter Antiheld in gräulichem Endzeitlicht dem Tod ins Gesicht sehen. Und dies wird zu einer kleinen Sternstunde für den Schauspieler Matthias Neukirch, der barfuß auf dem Sofa sitzend, liegend ein wenig humpelnd Alter und Gebrochenheit, Zweifel und Verdruss mit wunderbar kleinen schauspielerischen Mitteln herstellen kann.“
Sven Garbade, Weser Kurier, 29. September 2014