THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

Othello

von William Shakespeare
in der Übersetzung von Gabriella Bußacker und Jan Bosse

„Mein Baby, ich habe mein Baby getötet. Gott soll mich holen.“ (Oscar Pistorius) — Die Republik Venedig zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Othello, der schwarze Feldherr, heiratet heimlich seine große Liebe, die weiße Senatorentochter Desdemona und befördert den jungen Cassio zum Leutnant im Kampf gegen die Türken. Jago, Othellos Fähnrich, wäre gern an Cassios Stelle. Er fühlt sich von Othello übergangen und plant, sich zu rächen. Mithilfe von Roderigo, der in Desdemona unglücklich verliebt ist, hallen Jagos geschickt gestreute Andeutungen in Othello wider und lassen seine ängstliche, (selbst-)zweifelnde und misstrauische Seite an eine Affäre zwischen Desdemona und Cassio glauben. Rasend vor Eifersucht, tötet er schließlich seine Frau, und später sich selbst.
Othellos und Desdemonas Liebe, die zunächst keine gesellschaftlichen Widerstände (er)kennt, hält letztendlich der destruktiven Macht von Vorurteilen und Klischees nicht stand – sie zerbricht an den eigenen Zweifeln und Ängsten. Wie bedroht kann das Vertrauen in die Anderen sein? Sind sie wie ich, was sehen sie in mir? Können wir zusammen sein?

Dauer: ca. 2 Stunden 30 Minuten, eine Pause

Termine / Karten

Besetzung

Fotos

Pressestimmen

„Klaus Schumacher öffnet den Blick wie wenig sich seit Shakespeares Zeiten gesellschaftliche Perspektiven geändert haben.“
Christine Gorny, Radio Bremen, 4. Oktober 2014

„An diesem ‚Othello‘ stimmt alles. Große Bilder mit wenig Mitteln. Dazu ein starkes, intensives Ensemble. Im übergroßen Gewächshaus auf der Bühne wird die Eifersucht spannungsreich genährt. Großes Theater.“
Corinna Laubauch, Bild, 6. Oktober 2014

„Shakespeares "Othello", wie ihn Regisseur Klaus Schumacher am Theater Bremen zeigt, ist eher ein Stück über Krieger in Friedenszeiten. Das Spektakel ist vorbei, das Schlachtgetümmel. Die Kämpfe finden unter der Oberfläche statt.“
Benno Schirrmeister, taz, 14. Oktober 2014

„Dagegen steht in sich ruhend wie ein Fels Theo Franzs: Wie hatte man nur vergessen können, dass der Hausautor des Kinder- und Jugendtheater MOKS auch ein sehr guter Schauspieler ist? Othello, wie Franzs ihn spielt, verfügt einerseits über die professionelle Härte eines Militärs - der sein eigenes, seine Zärtlichkeit und seine Sprache verdrängt hat, nicht mehr zulässt.“
Benno Schirrmeister, taz, 14. Oktober 2014

„Gerade weil die Akteure die ihnen von Jago nur in kleinen Dosen zugefügte Gewaltförmigkeit lange nur rhetorisch und zudem meist frontal ausagieren, trifft Othellos erster physischer Ausraster seine ihm angeblich untreue Frau wie ein, nun ja, Keulenschlag. Nicht auszudenken, sein jäher Zorn hätte sich gegen den ebenfalls massigen Cassio (einmal mehr von kraftvoller Präsenz: Simon Zigah) gerichtet, Desdemonas vermeintlichen Liebhaber.“
Hendrik Werner, Weser Kurier, 6. Oktober 2014

„Denn einer wie Jago kann in dessen Beförderung zum Leutnant nur einen Ausdruck von Vetternwirtschaft sehen – der schwarze General bevorzugt eben seinesgleichen. Wie nahe liegt da die Intrige, wo jeder weiß, dass Desdemona auf Schwarze steht! Das Perfide an dieser Argumentation ist nicht allein ihre diskriminierende Substanz. Es ist vor allem ihre scheinbare Logik, ihre Einfachheit, die es ihr ermöglicht, wie ein Virus binnen kurzer Zeit eine ganze Gesellschaft zu befallen. Auch die Betroffenen selbst. Wie das funktioniert, zeigt sich eindrucksvoll im rhetorischen Duell, zu dem Regisseur Klaus Schumacher Othello und Jago nach dem Fall des schwarzen Bühnenvorhangs in einen betagten Jugendstilpavillon bittet (Bühne: Katrin Plötzky).“
Johannes Bruggaier, Kreiszeitung, 6. Oktober 2014