THEATERBREMEN

Kleines Haus

Verzehrt (Consumed)

nach dem Roman von David Cronenberg
im Anschluss Publikumsgespräch

„Ich liebe den Geruch eines frischen Gerätes ... wie es nach verbranntem PVC duftet, wenn zum ersten Mal der Strom durchfließt ... oh, das ist einfach der Wahnsinn.“ ­(Mike ­Daisey) — Wir befinden uns in einer Welt, die zunehmend aus Versionen besteht und in der die einzig wahre Literatur vielleicht die der Bedienungsanleitung ist. Der Warenfetisch hat gesiegt und die Geschmeidigkeit technischer Oberflächen verführt zum ständigen Gebrauch und zur Verschmelzung mit dem Gerät. Die höchste Form der Begierde ist die des unbändigen Konsums. Dem entgegen steht eine extreme Fleischlichkeit der (vergänglichen) Körper. Das ist die Welt von „Verzehrt (Consumed)“. Regisseur David Cronenberg wagte sich mit Filmen wie „Crash“ oder „Naked Lunch“ an Vorlagen, die als unverfilmbar galten und die menschliche Phantasie überfordern.
Mit seinem Erstlingsroman hat er nun eine hellsichtige Geschichte über die Veränderung des Denkens und der Weltwahrnehmung in einer technisierten Welt geschrieben, die die Grenzen des Vorstellbaren sprengt und gerade deshalb im Theaterraum Einzug finden sollte.

Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause

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Besetzung

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Pressestimmen

„Der Originaltitel deutet es an: Es geht um die verschiedenen Formen zu konsumieren oder konsumiert zu werden. […] Eine Skandalinszenierung als Spielzeitauftakt also? Überhaupt nicht. […] Felix Rothenhäusler hat den Stoff gemeinsam mit Marianne Seidler zu einem stimmigen, zur Groteske neigenden Kammerspiel umgearbeitet. […] intellektuelle Exerzitien für Feinschmecker.“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 19. September 2015

„Alle miteinander können nicht zu sich und schon gar nicht zueinander finden, trotz des ständigen Geredes über Sex und des Einander-Verschlingens, und auch trotz der vielen technischen Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu bleiben. Die fast unerträgliche Spannung, die das beim Zuschauer erzeugt, löst Felix Rothenhäusler immer rechtzeitig durch die feine Ironie auf, die die Vorlage auch bietet und die er ins abgründig Komische steigert. Viel Applaus des überdurchschnittlich jungen Publikums.“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 19. September 2015

„Konsequent ist kein einziges Bild zu sehen, hier, wo es permanent um Bilder geht: Solche, die im Netz verfügbar sind, solche, die am OP-Tisch oder in der Wohnung der Toten entstehen […] Bilder ebenso wie die Affekte der sie Betrachtenden werden gleichsam hingehängt in Gesprächskonstellationen. Die Schauspieler*innen agieren mit bemerkenswert wenig Nuancierung in Sprechschattierungen und Gesten. Es entsteht ein diskursives Geflecht, als dessen Knotenpunkte Groß-Begriffe wie Tod, Krankheit, Sexualität, Normalität, Blick, Begehren matt glänzen und in einigen wenigen Momenten hell aufleuchten.“
Tim Schomacker, Nachtkritik, 18. September 2015

„‚Verzehrt‘ mutet vor diesem Hintergrund wie eine Neuerzählung, vielleicht auch wie eine Vertiefung der „Cobycounty“-Produktion an. Glücklich verläuft sie vor allem dort, wo Rothenhäusler seinen Figuren Widersprüchlichkeit und Unsicherheit gönnt. Annemaaike Bakker etwa lässt Naomi durchaus an ihrem Handeln zweifeln. Großartig ist auch Nadine Geyersbachs leise, aber beharrlich Anerkennung und Liebe einfordernde Krebspatientin Dunja.“
Johannes Bruggaier, Kreiszeitung, 19. September 2015

“Der Regisseur stellt die Geschichten vielmehr kunstvoll aus. Distanziert, indem er jeder Figur einen manischen Sprechduktus und eine schrill perückte Frisur zuweist.“
Jens Fischer, taz, 19./20. September 2015

„Doch das bekommt dieser Adaption gut, denn hier zeigen sich erneut die Stärken des Bremer Schauspielensembles.“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 19. September 2015

„Spannend wird es […] beim Treffen zwischen Naomi und dem Kannibalen. Siegfried Maschek verkörpert diesen Wahnsinnigen großartig, ihm möchte man in dieser Rolle nicht allein im Dunkeln begegnen. Die Live-Musik von Matthias Krieg schafft nicht nur eine spezielle Atmosphäre, sondern ist gleichwertiger Part der Inszenierung.“
Christine Gorny, Radio Bremen, 19. September 2015

„Es ist wie häufig bei Rothenhäusler: Er inszeniert eine rotierende, sprechende Installation, die den tranceartig um sich selbst kreisenden Zustand, im Eis der Emotionen von fleischlich verorteter Lust zu träumen, meisterlich trifft. Die Akteure agieren in der konzentrierten, prekär ruhigen Produktion zum Niederknien präzise – latexglatt an der Schnittstelle von Mensch und Maschine.“
Jens Fischer, taz, 19./20. September 2015