THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

Wozzeck

Oper in drei Akten (15 Szenen) von Alban Berg
Text von Alban Berg nach dem Dramenfragment „Woyzeck“

„Dass du dich wehren musst, wenn du nicht untergehen willst, wirst du doch einsehen.“ (Bertolt Brecht) — Dass Wozzeck nicht nur mit einem Job den Lebensunterhalt für sich und seine kleine Familie sichern kann, sondern sich nebenbei auch noch für medizinische Experimente zur Verfügung stellen muss, katapultiert ihn aus der sozialen Realität des 19. Jahrhunderts direkt in die Erwerbsarmut der neoliberalen Gesellschaft. Die unausgewogene work-life-balance führt dann auch fast zwangsläufig dazu, dass die zu oft alleingelassene Marie sich nach anderen Konstanten in ihrem Leben umschaut. Dass eine Gesellschaft nicht funktionieren kann, wenn man ihre Mitglieder von dem zentralen Glücksversprechen ausschließt, ist die immer noch oder schon wieder gültige Wahrheit von Alban Bergs expressionistischem Meisterwerk, das auch nach 90 Jahren nichts von seiner unmittelbaren emotionalen Wirkungskraft verloren hat. Der junge Regisseur Paul-Georg Dittrich wird mit seiner Inszenierung von Bergs Oper über einen Außenseiter, der sich wehrt und dennoch untergeht, zum ersten Mal am Theater Bremen arbeiten.

Mit Dank an die Bremer Landesbank für die freundliche Unterstützung.

Dauer: ca. 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause

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Pressestimmen

„Gesanglich meistert die junge Sopranistin [Nadine Lehner] die Herausforderungen ihrer Partie, die heftigen dramatischen Ausbrüche und die liedhaft sanften Phrasen etwa im Wiegenlied (Akt I, 3) bewunderungswürdig.“
Jürgen Kesting, FAZ, 15.02.2016

„Dieser Aufschrei über das Leid in der Welt und das Leiden an der Welt bewahrt in der Aufführung der Bremer Oper seine schockhafte Gewalt.“
Jürgen Kesting, FAZ, 15.02.2016

„Claudio Otellis Wozzeck ist ein geschundener Kraftkerl, der sich nur verbal ausrasten kann, was der österreichische Bariton mit heldenbaritonalem Furor tut.“
Jürgen Kesting, FAZ, 15.02.2016

Am Theater Bremen also ist die Welt von Alban Bergs „Wozzeck“ ein Labyrinth auf einem kreiselnden Plattenteller. Bewohnt wird es von poetisch bizarr kostümierten Kunstfiguren. Der Hauptmann: ein eitel aufgeputzter Soldatenclown mit silberglitzernden Epauletten. Der Doktor: ein sinistrer Maskenmann im plüschroten Morgenmantel. Marie: ein wuschelköpfiges Flittchen im bunten Tütü-Minirock mit mondänen Netzstrümpfen. Die beiden Handwerksburschen: Aufziehfiguren in pierrotweißen Kostümen mit Schlüssel im Rücken. Aber ob mit oder ohne Aufziehschlüssel: Eigentlich posieren sie alle, repetieren immer dieselben Rituale und werden dabei immer beobachtet. Man kann sich hier vor niemandem verstecken. Wo es Wände gibt, sind die aus Plexiglas oder Plastikfolie, jeder sieht jeden. Und dann sind da die Kinder: Wir sehen sie aufwachsen, anfangs indoktriniert durch Parolen auf einer Videowand: „Artig sein“, „Reinlichkeit“, „Gehorsam“, und immer wieder Kampf- und Kriegssymbole. Bald haben sie die Rituale dieser grausamen Welt übernommen, und sind, nur etwas älter geworden, schon bestens konditioniert, aus Wozzecks kleinem Sohn das nächste Opfer ihrer sozialen Missgunst zu machen.
Detlef Brandenburg, Die Deutsche Bühne, 14.02.2016

„Und natürlich wäre alles nichts ohne Markus Poschner und die Bremer Philharmoniker, die Bergs Musik, die so vollendet die Verwerfungen inner- und außerhalb der Figuren nachvollzieht und gestaltet. Zupackend, bis ins letzte ausdifferenziert, mit delikater Zartheit und erschütternden Crescendi. Schon dafür lohnt sich der Besuch.“
Rolf Stein, Kreiszeitung, 14.02.2016

„Dittrich hat ein gutes Händchen für das Schauspieltalent seiner Sänger. Claudio Otelli verleiht Wozzeck mit seinem markant ausgesungenen Bariton die nötige Tragik, aber auch sein Spiel beeindruckt: Mal wirkt er wie paralysiert, dann bricht es aus ihm heraus. Immer scheint er zu ahnen, dass er als einer, der nicht so funktioniert, wie er sollte, nur verlieren kann.“
Iris Hetscher, Weser Kurier, 15.02.2016

„Unter der Leitung von Markus Poschner gelang den Bremer Philharmonikern so ziemlich alles, was diese immens schwierige Partitur verlangt. Die symbolischen Schichten der Musik erklangen mit bestechenden Detailkonturen und erfüllten in jedem Augenbl[i]ck die Grundbedingungen von Bergs Musik: das Gleichgewicht zwischen Konstruktion und Expression, nicht nur den Klang an sich zu gestalten, sondern ihn aus den Zusammenhängen werden zu lassen. So entstehen atemberaubende Crescendi und Orchesterfarben von geradezu irrealer Schärfe, aus der Musik wird ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann, so lebt und atmet, so glüht und fiebert sie.“
Ute Schalz-Laurenze, nmz online, 15.02.2016

Claudio Otelli als Wozzeck kann seine überragenden Leistungen als Hans Sachs und Rigoletto fortsetzen: wie er aufbegehrt gegen das Getretensein, hat eine erschütternde Präsenz und menschliche Vieldimensionalität. Auch in der Stimme findet Otelli zu vielen Zwischentönen zwischen unterschwelliger Angst und immer wieder ausbrechender Wut. Ihm zur Seite Nadine Lehner, die die Marie ebenso widerständig anlegt: das ganze Stück durch tobt sie – einfach, proletarisch, mütterlich - wie eine Katze gegen ihr Schicksal und findet zu großem Gesang.
Ute Schalz-Laurenze, nmz online, 15.02.2016

„Mit Nadine Lehner stand für die Marie eine perfekte Besetzung zur Verfügung. Ihrem kraftvollen Sopran gewann sie eine Vielzahl von Farben und Emotionen ab: grell, verführerisch, liebevoll oder lasziv.“
Wolfgang Denker, NWZ online, 15.02.2016

„Was Markus Poschner und die Bremer Philharmoniker aus dem Graben lieferten, war sensationell. Bergs kunstvoll konstruierte Musik wurde in allen Feinheiten realisiert. Die Ausbrüche des Orchesters beim Mord an Marie hatten vulkanische Gewalt und waren einfach überwältigend. Es stimmt: Musik, so scharf wie ein Rasiermesser.“
Wolfgang Denker, NWZ online, 15.02.2016

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