Theater Bremen im Spiegel der Zeit
Das Theater Bremen – korrekter Titel: Theater der Freien Hansestadt Bremen GmbH – besteht aus vier Sparten (Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater, Kinder- und Jugendtheater) und vier festen Spielstätten: das Theater am Goetheplatz, das Neue Schauspielhaus, den Brauhauskeller und das Studiotheater Moks im Brauhaus. Im Zentrum steht die mit 802 Plätzen größte Spielstätte, das Theater im Goetheplatz. Das Neue Schauspielhaus mit 332 Plätzen wurde 1984 eröffnet. Das Kinder- und Jugendtheater Moks (ursprünglich das Kürzel für Modellversuch Künstler und Schüler) wurde 1986 als vierte Sparte dem Bremer Theater angegliedert.
Seit der Spielzeit 2004/2005 zeigt sich das Theater am Goetheplatz nach eineinhalbjähriger Umbauzeit im neuen Glanz. Durch zahlreiche Umbaumaßnahmen wurden der Zuschauerraum, die Licht- und Tonanlagen sowie der gesamte Servicebereich erweitert und optimiert.
Das Theater am Goetheplatz wurde bereits im Jahre 1913 errichtet bzw. eingeweiht. Unter der Bezeichnung Schauspielhaus erlebte es zunächst eine 30-jährige Epoche als Privattheater, ehe es nach dem Tode der Gründer und Leiter Johannes Wiegand und Dr. Eduard Ichon für ein Jahr vom NS-Regime vereinnahmt wurde. Bei Luftangriffen um August und Oktober 1944 wurde das Haus fast vollständig zerstört. Nach dem zweiten Weltkrieg entschloss sich die Stadt Bremen, dieses Gebäude – und nicht etwa das frühere Stadttheater am Wall – als neues städtisches Theaterhaus wieder aufzubauen. Die Wiedereröffnung fand unter dem neuen Intendanten Willi Hanke am 27. August 1950 statt; ein Jahr zuvor war das „Theater der Freien Hansestadt Bremen“ als GmbH gegründet worden.
Die Leistung der Gründer Wiegand und Ichon verdient eine besondere Würdigung, weil sie es schafften, ihre neue Bühne ganz ohne städtische Hilfe und in schwierigsten Zeiten zu einem deutschlandweit anerkannten Sprechtheater aufzubauen. In diese Phase des heutigen Theaters am Goetheplatz fallen der Erste Weltkrieg, Revolution, Deflation, Inflation, die Weltwirtschaftskrise, der Nazi-Terror und der Zweite Weltkrieg.
Gemessen an den Ereignissen der ersten 45 Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts sind die folgenden Jahrzehnte in Deutschland zwar als „ruhiger“ zu bezeichnen; auch in diesen Zeiten blieb das Theater aber ein Spiegel der gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen. Die Intendanz von Willi Hanke, der das Haus von 1949 bis zu seinem Tod 1954 leitete, war sehr vom „allgemeinen“ Aufbau geprägt; unter Albert Lippert – Intendant zwischen 1955 und 1962 – wurde das Theater etabliert und konsolidiert, ehe im Jahre 1962 der Mann in die Hansestadt kam, der – nicht nur in Bremen – für den Aufbruch zu neuen Ufern stand: Kurt Hübner. Unter seiner Leitung erreichte das Theater Bremen eine enorme Strahlkraft nach außen, der „Bremer Stil“ mit jungen Regisseuren wie Peter Zadek, Peter Stein oder Rainer Werner Fassbinder – wohlgemerkt nicht zufällig in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs entstanden – wirkte bahnbrechend für das gesamte deutschsprachige Theater.
Als Hübner im Jahre 1973 gehen musste, weil sein Vertrag nicht verlängert wurde, kam Peter Stolzenberg als sein Nachfolger; dieser hatte es naturgemäß – O-Ton Stolzenberg: „Man wird nicht Nachfolger einer Legende“ – sehr schwer. Auf Stolzenberg folgten 1978 Arno Wüstenhöfer, dem mehr Erfolg als seinem Vorgänger beschieden war, und weitere sieben Jahre später Tobias Richter. Nach einem einjährigen Intermezzo von Hansgünther Heyme in der Spielzeit 1992/1993 und einer weiteren Saison ohne festen Intendanten kam 1994 Klaus Pierwoß als neuer Generalintendant nach Bremen. Ihm gelang es aus einer schwierigen Situation heraus, das Haus wieder zu einem wichtigen Faktor der Stadt zu machen. Im Sommer 2007 verließ Klaus Pierwoß nach 13 Jahren das Theater; sein Nachfolger wurde Hans-Joachim Frey (Spielzeiten 2007-2010).
Seit der Spielzeit 2010/2011 wird das Theater Bremen künstlerisch von einem Leitungsteam geführt: Durch Hans-Georg Wegner und Martin Wiebcke (Oper), Marcel Klett (Schauspiel), Patricia Stöckemann (Tanztheater) und Rebecca Hohmann (Moks) gestalten erstmals die vier Sparten direkt und gemeinsam die Geschicke des Hauses und bündeln damit die kreativen Potentiale. Dieses Leitungsmodell ist bislang in der Theaterlandschaft einzigartig.
Es bleibt festzuhalten, dass das Theater Bremen nicht erst in den letzten vierzig Jahren, sondern von Beginn an eine beliebte Durchgangssituation für später sehr populäre Schauspieler, Sänger und Regisseure war. Eine subjektiv zusammengestellte Namensliste hat entsprechenden Klang – so wirkten in den Mauern des heutigen Theaters am Goetheplatz unter anderem Heinz Rühmann, Hans Söhnker, Käthe Dorsch, Douglas Sirk (alle unter Wiegand/Ichon), Ruth Leuwerik (Willi Hanke), Montserrat Caballé (Albert Lippert), Peter Zadek, Peter Stein, Bruno Ganz, Jutta Lampe, Edith Clever, Vadim Glowna, Hannelore Hoger, Judy Winter, Rainer Werner Fassbinder, Wilfried Minks (Kurt Hübner), Barbara Sukowa, Evelyn Hamann, George Tabori (Stoltzenberg), Reinhild Hoffmann, Christian Redl (Wüstenhöfer), Herbert Knaup, Werner Schroeter (Richter) sowie – in diversen Epochen – natürlich Johann Kresnik; selbst Gustav Gründgens spielte häufiger in Bremen, allerdings nur als Gast.
Auszüge aus „Bremer Theater / Theater Bremen 1913-2004“ von Frank Schümann; aktualisiert September 2007 bzw. August 2011.
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