[e]
Theater Bremen
Kein Kapital

Branka Prlic und Tamer Yigit
Uraufführung
13+
 
Donnerstag, 11. März 2010, 10.30 Uhr
Moks
 http://tickets.theaterbremen.de/applet/applet.jsp?dsh=true&dshurl=http://www.theater-bremen.de/info/impressum.php&agburl=http://www.theater-bremen.de/info/agb.php&vn=12164
 
24. November 2010

 
Marktplätze sind zentrale Orte. Hier wird gehandelt, gekauft und getauscht. Und in eine Art Marktplatz verwandelt sich das Moks in „Kein Kapital“: in einen Ort, an dem Werte gemessen werden, an dem gezahlt und verdient werden soll, an dem jeder versucht, einen Gewinn auszuhandeln.
Eine Pfandleiherin betreibt hier ihre Geschäfte. Bei ihr können Dinge in Geld verwandelt werden, und möglicherweise bekommt man diese sogar zurück, wenn man wieder liquide ist. Das nutzt die Nichtvermittelbare, die ohne Job ist und die letzten Andenken an ihre Oma versetzen will. Sie braucht Geld für neue Fotos, Bewerbungen und Fahrkarten zu Vorstellungsgesprächen. Doch schnell zeigt sich: die Wertbemessung ist unterschiedlich und wenn sie ihre Güter auf den Markt des freien Handels wirft, bleibt von dem geschätzten Wert nur noch wenig übrig. Dem jungen Schauspieler haben Castings und Bewerbungen auch die Taschen geleert. Er versucht, sich und das Kapital, das er zu sein glaubt, in bare Münze zu verwandeln. Doch um sich weiter Castings leisten und die Carepakete seiner Mutter aushalten zu können, muss er sich ebenfalls auf die Geschäftspraktiken der Pfandleiherin einlassen. Oder auf die des jungen Mannes, den alle Ratte nennen. Der hat sich auf dem kapitalistisch mutierten Angebot-und-Nachfrage-Markt seine ganz eigene Nische geschaffen. Virtuos zockt er mit Wertcoupons und der Kohle.
Alle vier bewegen sich in einer Kosten-Nutzen-Rechnung, die nicht bei materiellen Gütern halt macht, sondern in der auch private Bedürfnisse, persönliche Qualitäten und ganz eigene Träume, Phantasien und Ideale in Anschlag gebracht werden. Ihre Persönlichkeiten geraten in einen unübersichtlichen Wirtschaftssog, aus dem es keinen Ausweg mehr gibt. Und so geben sie ihr letztes Hemd, um noch leben zu können und um dann doch nur festzustellen, dass der Markt gesättigt ist und Werte, die man aufbaut, nicht mehr entlohnt werden können.
Branka Prlic und Tamer Yigit entwerfen in „Kein Kapital“, das sie für das Moks schreiben und inszenieren, Situationen und Konflikte, die auf spielerische, energiereiche, berührende und auch durchaus komische Weise zeigen, welche Auswirkungen die Finanzkrise hat. Sie zeigen, wie stark Wertsteigerung, Gewinnmaximierung und Erfolgsstreben nicht nur in beruflichen Zusammenhängen, sondern auch in privaten Situationen und für die persönliche Entfaltung von Bedeutung sind. Sie greifen damit die Lebenswirklichkeit von jungen Menschen auf und bringen sie in theatrale Form. Dass sie dafür Experten sind, hat die Verleihung des „Brüder-Grimm-Preis zur Förderung des Kinder- und Jugendtheaters" für ihre Inszenierung „Ein Warngedicht“ gezeigt.

 
 
Impressum / Nutzungsbedingungen
info@theaterbremen.de
(c) Theater Bremen