THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

Der Schimmelreiter

von Theodor Storm
Bearbeitung: John von Düffel

„Mit der Natur lässt sich nicht verhandeln.“ (Hans Joachim Schellnhuber) — Vom Bauernjungen zum Kleinknecht, bis hin zum Deichgraf hat er es geschafft, der Außenseiter H­auke Haien, der sich schon als kleiner Junge für Dynamik und Physik interessierte und das Spiel der Wellen erforschte. In der jungen Frau Elke findet er eine kongeniale Partnerin. Gemeinsam realisieren sie ihre innovativen Ideen zu Landgewinnung und Küstenschutz. Gegen die konservativen Kräfte setzen sie den Bau eines neuen Deiches durch. Ohne den alten einzureißen. Und das wird ihnen zum Verhängnis. Als eine Flut, von bis dato nicht gekanntem Ausmaß, die Küste heimsucht, klafft an der Nahtstelle zwischen neu und alt ein Riss, durch den sich die gewaltigen Wassermassen Bahn brechen und alles mit sich nehmen: das Leben, das Glück und die Utopie der harmonischen Koexistenz von Mensch und Natur. So mystisch aufgeladen die Geschichte ist, so modern ist sie in ihrer Zeichnung der Figuren und Beziehungen und in der dringlichen Frage nach Konzepten des Lebens mit der Natur in Zeiten von Klimawandel und Naturkatastrophen.

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Pressestimmen

„Zum dritten Mal in Folge – nach Brechts ‚Der gute Mensch von Sezuan‘ und Hauptmanns ‚Die Ratten‘ – gerät Zandwijk eine Großproduktion im Theater am Goetheplatz zum Triumph. Einmal mehr schafft sie konzentriertes Sprechtheater, das jedes Wort, jeden Blick, jede Geste wägt. […] Womit diese Besprechung, die – zugegeben! – eine Huldigung ist, beim Bühnenbild angekommen wäre, das ebenfalls Superlative rechtfertigt. Thomas Rupert hat einen enormen Raum geschaffen, der eine enorme Tiefe aufweist, die schwindeln machen kann. […] Vollends überwältigend ist die Aufführung, wenn gegen Ende Elemente toben, Sturm in Plastik und Darsteller fährt. Die Reittiere der Apokalypse sind entfesselt. Und keine Hoffnung, nirgends.“ (Hendrik Werner, Weser Kurier, 9. Oktober 2018)

„[…] es versetzt uns Zuschauer in genau die mystische, rückständige, unterschwellig konflikthafte Atmosphäre, die Storms Novelle so berühmt gemacht hat. Die Inszenierung findet starke Bilder: Eine Schattenspiel-artige Hochzeits-Prozession etwa oder charaktervolle Masken, die die Akteure manchmal tragen. Sie wurden von Nadine Geyersbach entworfen, die auch als Hauke Haiens Ehefrau Elke auf der Bühne sehr überzeugt. Überhaupt eine große Ensemble-Leistung mit einem glänzenden Alexander Swoboda in der Hauptrolle. […] Insgesamt auf alle Fälle ein großer Theaterabend, den man nicht verpassen sollte.“ (Christine Gorny, Bremen Zwei, 8. Oktober 2018)

„Das Schauspielensemble kann mit einer geschlossenen Leistung überzeugen. Alexander Swoboda gibt den Hauke Haien als zielstrebig kalkulierenden, kühlen Kopf, der aber angesichts Elkes Kindbettfieber in expressiver Verzweiflung mit Gott hadert. Nadine Geyersbach ist diese Elke, die trotz aller Widrigkeiten unbeirrbar zu ihrem Mann steht. Susanne Schrader gibt der Wienke anrührende Züge. Martin Baum ist als Ole Peters eine zynische Figur, die gezielt die Angreifbarkeit von Hauke ausspielt […] Für eine besondere Note der Inszenierung sorgt die Musikerin Maartje Teussink, die mit Klarinette, Kontrabass, Gitarre und eingestreuten Songs die düstere Stimmung verstärkt.“ (Wolfgang Denker, Nordwest Zeitung, 8. Oktober 2018)

„Als zum Ende der Sturm losbricht, ist die Katastrophe längst passiert. Da mögen sich die Bäume noch so bedrohlich neigen, Dinge wortwörtlich durch die Luft fliegen und bald auch Menschen sterben – in Alize Zandwijks Inszenierung von Storms Novelle „Der Schimmelreiter“ ist die Naturgewalt zwar schrecklich-schön anzusehen, aber doch nicht die Hauptsache. […] Wochenlang hatte das Bremer Theater Plastikmüllspenden gesammelt um Thomas Rupert daraus ein Bühnenbild gestalten zu lassen. Nun schwappt ein Meer davon auf der Bühne, das die Nordsee darstellen und uns alle daran erinnern soll, was wir den Ozeanen an Furchtbarem antun. Wenn zwischendurch der Wind hinein bläst, bäumen sich aus dem Müll heraus gewaltige Pferde aus dünnen Tütchen auf. Schlichtweg beeindruckend ist das, und man weiß nie so recht, ob man nun an ein Nachtgespenst denken soll, oder an die Fotos verendender Tiere aus den Nachrichten.“ (Jan-Paul Koopmann, nachtkritik, 7. Oktober 2018)