Tanz

Kleines Haus

-- kein Titel --

die heroische Coolness des Scheiterns und Gewinnens – eine Show
von Gintersdorfer/Klaßen
Gefördert im Fonds Doppelpass der
Kulturstiftung des Bundes

Mehr hat das Duo Gintersdorfer/Klaßen noch nie ins Rampenlicht des Kleinen Hauses gestellt: 18 TänzerInnen, MusikerInnen und SchauspielerInnen mit Liveband machen eine Tanzshow! Ausgangspunkt ist der legendäre John Pololo aus der Elfenbeinküste, ein Dieb und Mörder für hochkarätige Auftraggeber aus Politik und Wirtschaft, der in den 80er und 90er Jahren zu einer stilprägenden Kunstfigur in der Elfenbeinküste wurde. Die sogenannte „Pololo-Bewegung“ lebt im ivorischen Showbiz bis heute von der Straßenkultur und dem Schick der schweren Jungs, analog zur amerikanischen Gangster-Rap-Kultur. Im Vergleich zu den härteren, europäischen Punktiteln klingt der Sound der Brutalos allerdings eher heiter und soft. Not Punk, Pololo untersucht popkulturelle Miss-/Verständnisse und bringt Assoziationen hervor, die nicht das Immergleiche bestätigen, sondern Neues produzieren. Inwieweit Punk-Attitude mit Boucan (dem Prinzip des verfeinerten Angebens im Couper Decaler) kompatibel ist und mit welchen Codes man in welchem Popkultur-­System punktet, wird an diesem Abend verhandelt.
Der amerikanische Tänzer Richard Siegal und die afrikanischen Darsteller werden an diesem Abend des „Popkultur-Clash de Luxe“ nun auf einer Bühne nebeneinanderstehen, um ihr Können virtuos miteinander zu messen; der Musiker Ted Gaier von den Goldenen Zitronen und der ivorische Tänzer Franck Edmond Yao repräsentieren klare Haltungen und verkörpern auf ihre Weise Punk im ursprünglichen Sinne: Sie lehnen Psychologie ab und verbinden „Do it yourself“ mit einer gewissen Portion Arroganz gegenüber leicht konsumierbarer Musik. Ins transkulturelle Who-is-Who wirft die Tänzerin Cecelia Bengolea ihre Kenntnisse der aktuellen Club- und Internet-Tanz-Phänomene. Der Sänger SKelly, der sich selbst den „Vogel Gottes“ nennt, erhebt seinerseits die Frage nach dem Teuflischen in der Popmusik, durch spontane emotionale Impulse bringt er festgefahrene Kategorisierungen ins Rutschen. Hans Unstern, der schon beim Mahagonny-Festival im vergangenen Juni im Theater Bremen auftrat, entzieht sich den Zuschreibungen mit Gitarre und Harfe. Timor Litzenberger und Ted Gaier haben dazu Beats hergestellt, die am Ende des Abends vom Zuschauerraum direkt auf den Dancefloor führen.
Politik, Musik, Afrika: am 18.3. werden an einem Doppel­abend Not Punk, Pololo und Gintersdorfer/Klaßens Dezember-Premiere Mobutu choreografiert nacheinander gezeigt, nach der ersten Vorstellung gibt es ein Publikumsgespräch.