THEATERBREMEN

Theater am Goetheplatz

Lady Macbeth von Mzensk

Oper in vier Akten von Dmitri Schostakowitsch
Text von Alexander Preis nach der gleichnamigen
Erzählung von Nikolai Leskow

„Macht haben nicht diejenigen, die über Posten und Gefangenentransporter verfügen, sondern diejenigen, die ihre Angst überwinden.“ (Nadja Tolokonnikowa, Pussy Riot) — Eine tiefe Sehnsucht und quälende Langeweile bringen Katerina Ismailowa dazu, sich leidenschaftlich einem anderen Mann hinzugeben, Schwiegervater und Ehemann zu töten und sich mit einer buhlenden Rivalin in den Tod zu stürzen. Dmitri Schostakowitsch formulierte mit seiner „tragisch-satirischen Oper“ inmitten des stalinistischen Terrors einen Protest im Kleinen: das Aufbegehren der Lady Macbeth gegen die soziale Kälte, gegen die Ausweglosigkeit und Enge gesellschaftlicher Normen, welche häusliche Gewalt genauso dulden wie das Wegsperren von Andersdenkenden. Grotesk, überspitzt und ungeschönt entfaltet sich die suggestive Kraft und Direktheit dieses Werks, das der Regisseur Armin Petras, der in Bremen zuletzt „Anna Karenina“ inszeniert hat, mit großem Gespür für das Widerständige auf die Bühne bringen wird. Die musikalische Leitung übernimmt der neue Musikdirektor des Theater Bremen, Yoel Gamzou.

Dauer: ca 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause

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Pressestimmen

„[…] Im Bühnenbild von Susanne Schuboth und den Kostümen von Karoline Bierner holt Petras die Handlung näher an die Gegenwart heran. […] spannend […] ist aber auch Petras’ hybride Dramaturgie, mit der er landläufige Opernkonventionen – und teilweise auch das Werk selbst, in das er und der Dirigent gezielt irritierend eingreifen – dekonstruiert. […] Wie Petras dadurch die Dramaturgie der Oper auflädt mit ästhetischen Strukturen ganz anderer Genres, das ist von großem artifiziellem Reiz – und übrigens typisch für die „Bremer Dramaturgie“ unter dem Intendanten Michael Börgerding, die die Grenzen zwischen den Sparten und Disziplinen aufsprengen und aus den so ermöglichten Interferenzen innovative künstlerische Impuls gewinnen will. (Detlef Brandenburg, Die deutsche Bühne online, 11.09.2017)

[…] Und dass [Yoel Gamzou] Sinn für theatrale Experimente in der Oper hat, zeigt allein die Art, in der er gemeinsam mit Petras diese Bühnenversion der „Lady“ ermöglicht hat. […] In den vielen orchestralen Zwischenspielen läuft das Orchester zu Hochform auf, und Gamzou brilliert durch die stringente Gestaltung sinfonischer Prozesse. (Detlef Brandenburg, Die deutsche Bühne online, 11.09.2017)

[…]Dabei ist das Ensemble, wie fast immer in Bremen in den letzten Jahren, großartig. Nadine Lehners sängerische und darstellerische Gestaltung der Lady Katerina ist ein Erlebnis, das wohl niemand so bald vergessen wird. […] Sie singt die Katerina nicht mit der satten Wucht einer „Hochdramatischen“, sondern mit einer hellen, kraftvoll leuchtenden Stimme, die freilich in der fast tenoral stabilen Tiefe ein festgefügtes Fundament hat. Das energetisch Vibrierende ihres Fortes passt perfekt zu Petras’ Interpretation der Figur als eine Art Terroristin aus psychischer Not und Zerrüttung. […] Und noch eine Figur prägt sich in besonderer Weise ein: der bereits erwähnte Patrick Zielke als Boris, der mit seinem wuchtigen, dunklen, mit Sinn für dramatischen Effekte und auch für die Charge geführten Bass den breitspurigen Provinzoligarchen umwerfend auf die Bretter legt. […] Luis Olivares Sandoval als „Schäbiger“ und Christoph Heinrich als Pope wissen die dankbaren Aufgaben, die Schostakowitsch ihnen schenkt, einnehmend zu nutzen. Und Ulrike Mayer gibt der Sonjetka viel Charakter und Mezzokontur mit ins Bühnenleben […] Dieses ganze großartige Ensemble mit dem von Alice Meregaglia ausgezeichnet präparierten Chor wurde am Ende vom Premierenpublikum enthusiastisch gefeiert.“ (Detlef Brandenburg, Die deutsche Bühne online, 11.09.2017)

„[…] die expressive Vorlage noch steigernde Konzeption [Armin Petras‘] wird in Bremen von allen Mitwirkenden auf der musikalischen Seite in einer unfassbaren Hingabe umgesetzt, die einem das Blut in den Adern gerinnen lässt. Die Katerina von Nadine Lehner vermag in einer unendlich erscheinenden Ausdrucksskala die verzweifelten, extremen Handlungen bis hin zum Mord zu gestalten, wie auch die leisen Töne der Sehnsucht und des Abschieds vor ihrem Selbstmord zu vertreten. Gesanglich und darstellerisch außerordentlich überzeugend auch der Schwiegervater Boris von Patrick Zielke [...]. Chris Lysack überzeugt mit durchdingender Tenorstimme als Sergej [...] Qualvoll plastisch der kranke Schwächling Sinowi des Alexey Sayapin.Vom grandiosen Ensemble seien weiterhin beispielhaft Hanna Plaß als Aksinja, Luis Olivares Sandoval, Ulrike Meyer als Sonjetka und der skurrile Pope von Christoph Heinrich genannt. [...] Der Chor des Theaters Bremen unter der Leitung von Alice Meregaglia bringt sich kraftvoll ein und versteht es meisterhaft, einen typisch russischen Sinn von Satire in den skurrilen Handlungsteilen auf die Bretter zu bringen. [...] [Gamzous] Einstand in Bremen verschlägt einem den Atem. Die Bandbreite an Dynamiken und Farben aus dem Graben war „unerhört“ – vom lautesten Bläsereinsatz bis zum den leisesten, anrührenden Tönen spielt das Orchester grandios. [...] Was für ein glänzender Start in die neue Saison – Gratulation!“ (Achim Dombrowski, o-ton, 13.9.2017)

„[...] Das nun wird ebenso brillant wie ergreifend von Petras erzählt [...]. Großartig sind vor allem die Bilder der ebenso verzweifelten wie verrohten Gesellschaft, in der sich das dramatische Schicksal Katerinas vollzieht. Auch komische, satirische Momente lässt Petras nicht aus. Die schauspielerische und singende Präsenz von Lehner ist in jedem Augenblick atemberaubend. Ebenso die von Patrick Zielke, der einmal mehr seine einzigartige Begabung ausspielen kann. Chris Lysack als Sergej, Ulrike Mayer als Sonjetka und Christoph Heinrich als Pope setzten prägende Akzente. Die Bilder von Petras sind stark [...] Dass sich die Musik [...] trotzdem als eine dritte Ebene durchsetzen kann und nicht Untermalung bleibt, ist der Einstudierung von Yoel Gamzou und der unerhörten Orchesterleistung der Bremer Philharmoniker zu verdanken. Scharf und wild sind Gamzous Akzente, sehnsüchtig seine Lyrik, grell die Schreie [...] Eine Inszenierung, die man gesehen und gehört haben muss.“ (Ute Schalz-Laurenze, Kreiszeitung, 13.9.2017)

„[...] Ein sehr gutes sängerisches Niveau [...].“ (Elisabeth Richter, Deutschlandfunk, 11.9.2017)

„[...] Petras gelingt die Charakterisierung der Personen eindringlich [...] Bei den drastischen Szenen [...] geht die Regie schonungslos zur Sache, findet im Schlussakt aber auch zu stillen, berührenden Bildern [...]. Zur Sache geht auch Yoel Gamzou mit den Bremer Philharmonikern [...]. Eine ausgezeichnete Leistung erbringt der Chor [...]. Die Titelpartie wird von Nadine Lehner gestaltet, die schon allein mit ihrer ausgeprägten Persönlichkeit überzeugt. [...] Die beeindruckendste Leistung liefert Patrick Zielke als Boris [...] ein Vollblut-Darsteller, der Komik und Verschlagenheit perfekt verbindet. Sein runder, dunkler Bass sorgt für Gänsehautmomente.“ (Wolfgang Denker, Nordwestzeitung, 12.9.2017)

„Das, was das Theater Bremen mit Regisseur Armin Petras auf die Bühne gebracht hat, ist einfach großartig, sensationell, vielleicht sogar ein Stück Theatergeschichte. So eine vibrierende, pulsierende, dreieinhalb Stunden anhaltende Dauerschock-Erfahrung habe ich lange nicht mehr erlebt. [...] Die Inszenierung ist unfassbar vielschichtig und aufwändig. [...][Die Sänger schlagen sich] Bravourös. Besonders die Sopranistin Nadine Lehner. Sie überzeugt mit einer bestechend klaren Stimme [...] und einer grandiosen Bühnenpräsenz. Absolut überragend – wie auch der Rest des Ensembles. [...] Keiner der Hörer sollte diese Vorstellung verpassen. Um ehrlich zu sein, niemand sollte sie verpassen.“ (Tomasz Kurianowicz, Radio Bremen, 11.9.2017)

„Meisterhaft hat Yoel Gamzou, der neue Musikdirektor am Theater Bremen, die Philharmoniker auf die Partitur der „Lady Macbeth von Mzensk“ (1934) eingestellt [...] Diese kurze klagende Arie im vierten Akt ist in ihrer Stille ein intimer Höhepunkt inmitten dieses blechgrandiosen Werks und dieser mitreißenden Aufführung – dank Nadine Lehner. Ohnehin singt sie eine mitreißende Titelpartie. [...]“ (Benno Schirrmeister, taz, 16.9.2017)

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