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#trasse Schauspiel

Auf zum Trassenkampf!

Ensemblemitglied Guido Gallmann wohnt in einem Altbremer Haus im Milchquartier. Anlässlich der Produktion Die Trasse. Eine Erfahrung sprach er mit seinen Vermieter:innen Jutta Kiefert-Riebe und Manfred Riebe über die Mozarttrasse und wie die Zerstörung des Viertels verhindert wurde.

Guido Gallmann: Liebe Jutta, lieber Manfred, wie kommt es, dass wir das Glück haben, in diesem schönen, über 150 Jahre alten Haus zu wohnen?

Manfred Riebe: Eigentlich ist es ist dazu gekommen durch die schlechte Absicht der Stadt in den 1970er Jahren, hier die sogenannte Mozarttrasse durchzuführen: eine Weser-Überbrückung bis zum Remberti-Kreisel, der als Teil dieses Trassenvierecks damals ja schon fertiggestellt war. Diese Häuser waren damals zum Abbruch vorgesehen. Ich war eigentlich ein Bremen-Nordler, aber als junger Mann gingen wir oft im Viertel ein Bierchen trinken und tanzen, wir liebten dieses Viertel. Ich erfuhr dann von den Abrissplänen, denn ich war Mitglied im Ortsverein Altstadt der SPD. Diese Häuser sollten systematisch „leer gemacht“ werden, das heißt, die ursprünglichen Bewohner sollten bereits frühzeitig ausziehen und dann sollten die Häuser bis zum Abbruch – das kann ja noch einige Zeit dauern, dachte ich damals – ganz günstig vermietet werden. Und weil wir damals als junges Paar gerade eine Wohnung suchten, hatte man uns geraten, wir könnten doch so eine Wohnung beziehen. Das lief über den Bausenator, da hatte ich einen Kontakt. Die Stadt hatte das ja alles aufgekauft und die Baubehörde hat die Mietverträge gemacht. 1,28 Mark war damals der Mietpreis pro Quadratmeter, meine ich. Wir hatten wenig Geld in den Taschen, also war das alles sehr gut für uns.

War das dieses Haus hier?

Jutta Kiefert-Riebe: Ja, allerdings mit Ofen, wir mussten Briketts im Keller stapeln und es war in keinem guten Zustand, weil nichts mehr dran gemacht wurde. Beim Fensterputzen hatte ich immer Angst, dass die Scheibe rausfällt. Den Balkon konnten wir nicht betreten, da bestand Einbruchsgefahr. Aber wir haben uns sehr wohlgefühlt und gesagt, bis der Abriss kommt, bleiben wir hier.

Aber der kam dann nicht.

Manfred Riebe: Nein, es kam ein langer, zäher Kampf gegen die Mozarttrasse, der vom Ortsverein Altstadt der SPD geführt wurde. Zunächst ging es nur um die Frage, wie diese Trasse eigentlich aussehen sollte, sollte das eine Röhre, ein Tunnel werden, oder wie genau sollte sie aussehen? Dann entwickelte sich die Frage: Wollen wir diese Trasse überhaupt? Diese Frage ist in einer Einwohnerversammlung gestellt worden und da waren natürlich alle gegen die Trasse. Aber sie war ja schon beschlossen worden von der Fraktion und die SPD regierte Bremen allein und damit war das sehr verbindlich. Von dem Beschluss musste man dann wieder runter. Es gab sehr starke Aktivitäten im Viertel und Stück für Stück ist unter Einfluss auf die maßgebenden Politiker, die dann doch ins Grübeln und Denken gekommen sind, davon Abstand genommen worden.

Und dann?

Manfred Riebe: Dann ist das ganze Gebiet hier Sanierungsgebiet geworden und wir mussten wieder alle raus aus den Häusern. Der ganze Straßenzug wurde saniert, die Bremische Gesellschaft war der Sanierungsträger und alle, die wie wir dort wohnten, waren quasi Altbewohner. Die konnten nach Sanierung entscheiden, ob sie wieder in die Häuser zurückwollen. Über den Ortsverein Altstadt haben wir ein Konzept ausgearbeitet: Wir wollen es nicht den Behörden überlassen darüber zu entscheiden, wer ins Viertel kommt, sondern wir brauchten ein Gremium, so eine Art Betroffenenbeirat für den Sanierungsträger, also die Bremische Gesellschaft, und der sollte je zu einem Drittel bestehen aus früheren Eigentümern, aus Arbeitnehmern und aus Mietern. Das Gremium bestand aus neun Personen, ich war eine davon.

Jutta Kiefert-Riebe: Die sanierten Wohnungen wurden zunächst formal den früheren Eigentümern zum Rückkauf angeboten, das war wenig erfolgreich, weil die meisten nicht mehr zurückwollten, das waren ältere Leute, die hatten inzwischen schon irgendwo eine Wohnung gefunden, das Kapitel war für sie abgeschlossen.

Manfred Riebe: Dann konnten die früheren Mieter zurück, also haben wir uns als Bewerber wieder in die alte Wohnung begeben. Und für alle leeren Wohnungen bekamen wir die Anträge der Leute, die da einziehen wollten und das vielleicht später auch kaufen wollten. Wir haben darüber entschieden – wenn kein Anbieter da war, der ein Recht hatte zurückzukehren. Wir merkten schnell, an der Universität gab es von den Professoren ein ganz hohes Interesse an diesem Viertel, die spürten dieses Flair. Die lauerten nur darauf, diese Superwohnungen zu kaufen, aber wir haben zunächst gesagt: „Nein, wir wollen Leute haben, die früher hier mal gearbeitet und gelebt haben, die sollen zurückkommen.“ Dazu haben wir eine Liste aufgestellt, welche Leute wir bevorzugen, das waren natürlich Familien und auch Handwerker, weil die ganzen früheren Handwerksbetriebe verschwunden waren. Aber letzten Endes kamen also doch viele aus der intellektuellen Bevölkerung hier rein. Es waren auch viele Künstler hier. Ich finde, das ist uns eigentlich geglückt viele unterschiedliche Menschen hier im Viertel zu halten und wir haben die Behörden raushalten können.

Bis dahin habt ihr aber nur zur Miete gewohnt.

Manfred Riebe: Ja, und dann wollte die Stadt die Häuser verkaufen, aber zu welchen Preisen und wie sollte das passieren? Ich hatte zunächst gar kein Interesse zu kaufen, denn das waren für mich so Kapitalisten.

Jutta Riebe: Und dann lernten wir einen Architekten kennen, der sagte: „Sie sind ein junges Ehepaar, Sie müssen das doch kaufen!“ Der hat uns praktisch dahin gebracht.

Manfred Riebe: Aber das hat noch weitere Schritte gebraucht: jahrelanges Einzahlen in einen Bausparvertrag und einiges mehr. 

Was ich auch interessant finde, ist die Frage, warum die Leute, die sich gegen die Trasse gewendet haben, überhaupt in die SPD eingetreten sind?

Manfred Riebe: Was mich damals bewogen hat, in die SPD einzutreten, war die Symbolfigur Willy Brandt, da habe ich gedacht, das ist der richtige Mann. Weil ich damals in Lesum wohnte, hätte ich dort eintreten müssen. Aber das war so verspießt! Und dann las ich die Zeitungsartikel von einem aufmüpfigen Ortsverein Altstadt, der gegen die Trasse ist und das hat mich so interessiert, dass ich gesagt habe: Ich will da eintreten! Ich wohnte da ja noch nicht im Viertel, aber meine damalige Freundin und jetzige Frau, Jutta, wohnte in der Rembertistraße. Ich habe mich dann unter dieser Adresse angemeldet und bin Mitglied im Ortsverein Altstadt geworden. Und da bin ich mit einer Gruppe konfrontiert worden von sehr cleveren, überzeugenden Leuten, die damals mal im Schnoor wohnten und dann in den Ortsverein Altstadt gegangen sind, um Einfluss auf die Ortspolitik zu bekommen. Die haben jeden Mittwoch getagt in der Mozartstraße und waren alle sehr aktiv. Wir haben monatlich das Ostertor-Blatt rausgebracht und jeder hat ein Straßensegment gehabt, in dem er sich um die Leute kümmern und die Zeitung verteilen musste. So haben wir unsere Ideen in der Bevölkerung verbreitet. Das war sehr erfolgreich und so ist der Trassenkampf natürlich auch in das Bewusstsein der Leute geraten und dadurch waren wir sehr stark. In Bremen ist es tatsächlich gelungen, diese Mozarttrasse zu kippen.

Und nicht nur die?

Manfred Riebe: Es ist noch mehr verhindert worden, das ist nicht ganz uninteressant: Der Bauhof sollte höher werden als der Bremer Dom mit über 100 Metern, der sollte am Remberti-Kreisel entstehen. Das haben wir gekippt. Und dann sollte neben der Wallmühle die Hamburg-Mannheimer Versicherung ein Bürohaus mit 22 Stockwerken errichten. Auch da haben wir eine Bürgerinitiative gegründet, die das verhindert hat. Was nicht verhindert werden konnte, war der Bau der ehemaligen Landeszentralbank/Deutsche Bundesbank. Dafür sind in der Kohlhökerstraße wunderbare Häuser abgerissen worden und Bürgermeister Hans Koschnick wollte das unbedingt so haben. Später ist sie fusioniert und abgezogen worden aus Bremen und jetzt ist da eine furchtbare Lücke. Da soll jetzt auch wieder eine Klotzbebauung entstehen und das ist natürlich sehr schade.

Ich sage Dankeschön. Ich glaube, beim Spiegel steht unter Interviews immer „Wir danken für das Gespräch“.

Jutta und Manfred Riebe: Wir danken für das Gespräch.

Das Theater Bremen dankt für das Gespräch.

 

Veröffentlicht am 8. Mai 2026.

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