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#frauyamamoto #Börgerding Schauspiel

Das Leben

In der Zeitschrift Theater heute hat Michael Börgerding im Sommer vor seinem Tod, im August 2024, einen Text veröffentlicht zu Dea Lohers Stück Frau Yamamoto ist noch da. Nun bringt Alize Zandwijk dieses Stück im Theater am Goetheplatz zur Premiere und Theater heute hat uns den Zweitabdruck erlaubt.

Frau Yamamoto, über siebzig Jahre alt, war einmal eine Sägewerksbesitzerin, mit Vornamen heißt sie Sole. Sie hat ihren Sohn, einen begeisterten Kletterer, durch einen Unfall in den Dolomiten verloren. Ihr Mann hat sie verlassen. Er lebe jetzt im Norden, wo immer das sein mag, und er habe noch zwei Töchter bekommen. Frau Yamamoto hat danach viel gearbeitet, jetzt lebt sie alleine, aber sie findet in dem Mietshaus, in dem sie lebt, Freunde.

Erik und Nino, ein schwules Paar, und Eriks Nichte Milena. Erik ist der Ältere, fast fünfzig, er arbeitet in der Robotik, Nino, der deutlich Jüngere, gerade in einem Fahrradladen, und Nino gründet später ein Restaurant, er nennt es „Sole Mio“. Milena fragt die beiden, warum sie keine Kinder haben oder wollen. Sie wissen es nicht wirklich. Am Ende des Stückes ist Frau Yamamoto tot, gestorben an einem Gehirntumor. Erik, Nino und Milena sind damit „Freunde zum Abschied“ geworden. Nino zieht aus der gemeinsamen Wohnung mit Erik aus und in die leere Wohnung von Frau Yamamoto. Das ist die eine und zentrale Geschichte mit Figuren und Namen in Dea Lohers erstem großen Stück seit 14 Jahren, daneben treten auf (und wieder ab): eine Frau im Treppenhaus, ein Mann und eine Frau im Restaurant, eine Servicekraft, ein Mann, der ein Gedicht schreibt, ein Mann und eine Frau in einer Bar bzw. beim Tanzen, zwei Frauen im Park, eine Frau am Fenster, Mann und Kind im Schwimmbad, zwei Anglerinnen, ein Therapeut und seine Klientin, Luciano, der Sohn von Frau Yamamoto, ein Mann, der ein Gedicht vorträgt, ein Mann und eine Frau auf der Landstraße, eine Frau, die einen Rucksack vergessen hat, und wieder die eine Frau im Treppenhaus.

Es geht um einen Virus, der Menschen zusammenklebt, Liebesgedichte ohne Adressaten, Waffen für alle, um ein Fischsterben, ein magnetisches Herz, das Gefühl, eine Diebin zu sein, wenn man reich ist, ein brennendes Auto am Wegesrand, ein ganzes Leben in einem vergessenen Rucksack in Rom – und das sind längst nicht alle Themen.

Der Text ist vollkommen undramatisch, es sind lauter Zweierszenen (es gibt zwanzig Szenen, davon zwei Dreier-Szenen und eine Vierer-Szene). Es sind natürlich sehr tolle Loher-Zweierszenen! „Sehr berührend, sehr lustig und sehr in unserer Zeit“, wie Andreas Kriegenburg mir schrieb. Vielleicht sind es aber auch nur tolle Zweier-Hörspielszenen? Ich zum Beispiel wüsste überhaupt nicht, was man da noch inszenieren sollte. Oder: Was kann da mehr sein als zwei sprechende Menschen auf der Bühne? Es ist überhaupt kein Ensemblestück, aber es könnte eines durch eine behauptete Konstruktion oder Setzung (Bühne, Raum, Grundsituation) werden.

Worum geht es? Tja, was war das Thema bei Diebe von Dea? Genauso jetzt: das Leben. Das nicht gelebte Leben. Das Wissen, dass man wie alle eigentlich hilflos, mutlos und überfordert ist. Der Wunsch nach Nähe und die Angst vor ihr. Manchmal das Gefühl, „dass außer mir / was ist“. Und die Sehnsucht nach der Abschaffung des Todes. „Ohne die Vorstellung eines fessellosen, vom Tod befreiten Lebens kann der Gedanke der Utopie nicht gedacht werden“, hat Adorno einmal geschrieben. Steht das so drin in Dea Lohers Stück? Ich glaube schon. Ob es jemanden interessiert? Ich weiß es nicht. Machen muss man es aber unbedingt!

Ambivalenz und Kontingenz: Wie lebe ich damit, wie halte ich das aus? Das ist auch eine moralische Frage. Es ist die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen, die Dringlichkeit einer individuellen Entscheidung. Entscheidungen, die die Welt meinen. Und zu denen man nicht kommt, weil man „dahin schwimmt in dieser Suppe“ aus Hilflosigkeit und Gleichgültigkeit. Um das zu erzählen, bedarf es nicht immer der großen Form, auch nicht unbedingt der Tragödie. Dea Loher sucht eher das Gegenteil der Tragödienstruktur und arbeitet an dem Risiko der Darstellung von Absichtslosigkeit. Dazu gehören eine unerlöste Empfindlichkeit und ein sich entwickelndes und reicher werdendes Bewusstsein für die tragischen Situationen unserer eben nicht heroischen Existenz. Frau Yamamoto fragt: „Dann erzählt ihr doch mal. Was ist mit Euch? Was ist mit Euch? Seid ihr glücklich?“

Frau Yamamoto hat sich für ihre Trauerfeier ein Lied gewünscht, Neil Youngs Red Sun von seinem Album Silver & Gold von 2002. Darin heißt es: „When the red sun sets / On the rail road town / And the bars begin to laugh / With the happy sound // I’ll still be here / Right by your side / They'll not be anyone / In my heart but you“. Dea Loher war schon immer sehr geschickt, das Glück zu verstecken.

 

Zweitveröffentlicht am 22. September 2025.

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