Wer braucht schon den Mann im Mond, wenn es da Hasen gibt?
Für die Moks-Produktion Mondhasen schaut Dramaturgin Saskia Scheffel ein bisschen in den Nachthimmel. Über Mondmeere, Mochi und Mörser!
Schau wie schön der Mond heut scheint? So schön, so rund, so hell, so fleckig. Fleckig?
Ja, fleckig. Die Flecken geben dem Mond Charakter. Sie bilden, mit zusammengekniffenen Augen und etwas Fantasie, ein Gesicht, den sprichwörtlichen Mann im Mond. Punkt, Punkt, Komma Strich – fertig ist das Mondgesicht. Aber es gibt nicht nur ein Gesicht zu entdecken, gerade im ostasiatischen Raum spricht man eher vom Hasen im Mond.
Einem waschechten Mondhasen.
Auch der Hase entsteht aus der Form der Mondflecken. Das Phänomen in Mondlandschaften Wolkenformationen oder in Dingen Gesichter, bekannte Wesen oder Gegenstände zu erkennen, nennt man Pareidolie, was so viel wie Trug-Bild oder Schattenbild heißt.
Aber was sind das überhaupt für dunkle Flecken auf dem Mond?
Frühzeitliche Astronomen vertraten die Ansicht, dass die Flecken Ansammlungen von Wasser seien. Die Gebiete tragen daher bis heute Namen wie „das Meer der Ruhe“ oder das „Meer der Krisen“.
Mit leistungsstärkeren Teleskopen und Mondmissionen wurde die Theorie der Mondmeere widerlegt. Stattdessen handelt es sich um riesige Krater, die mit erkalteter Lava gefüllt sind. Und weil diese Lava dunkler ist als die übrige Mondoberfläche, sind diese Gebiete ebenso dunkel erkennbar. Krater mit Lava klingen zwar nach Vulkanen, im Falle des Mondes sind es aber keine Vulkankrater, sondern Einschlagskrater von Asteroiden, bei deren Aufprall Magma aus dem Inneren des Mondes an die Oberfläche gedrungen ist.
Manchmal haben die Krater einen Durchmesser von mehr als tausend Kilometern und sind dadurch selbst mit dem bloßen Auge von der Erde erkennbar.
Und eben diese Krater bilden nun einen Hasen und daneben je nach Erzählung einen Stampfbottich oder einen Mörser. In der chinesischen Mythologie erscheint der „Mondhase“ häufig als Begleiter der Mondgöttin Chang’e, für die er ein Lebenselixier, aus Unsterblichkeit verleihenden Kräutern, stampft. In Japan wird der Mondhase als Tsuki no Usagi bezeichnet. Dort entspringt der Glaube der Shintō-Religion und nimmt Bezug auf die Legende Vom Fuchs, dem Affen und dem Hasen. In dieser Erzählung geht es um die Freundschaft eines Fuchses, eines Affen und eines Hasen. Während sie am Tage in den Bergen miteinander spielten und gemeinsam jagten, verbrachten sie die Nacht gemeinsam im Wald. Der Herr des Himmels, Taishakuten, erfuhr davon und suchte, als alter Wanderer verkleidet, die drei Freunde auf. Er fand sie des Abends am Lagerfeuer und bat sie um etwas zu essen. Der Affe brachte ihm sogleich Nüsse, der Fuchs gab ihm einen Fisch. Der Hase aber fand nichts, was er dem Wanderer geben konnte. Als der Affe und der Fuchs den Hasen deswegen aufzogen, sprang dieser verzweifelt ins Lagerfeuer und rief: „Iss mich!“. Der Herr des Himmels war so gerührt von dieser Geste, dass er den Körper des Hasen wiederherstellte und ihn mit zum Mond nahm. Der Rauch, den der Hase erzeugt hatte, schlug sich auf der glänzenden Mondoberfläche nieder und ahmt noch heute seine Gestalt nach.
In der koreanischen Mythologie wiederum rührt der „Mondhase“ in seinem Bottich die Zutaten für Mochi.
Welche Krater genau den Hasen bilden, drüber scheiden sich die Geister, denn es lassen sich verschiedene Versionen des Hasen finden. Von Bremen aus ist der Hase so zu sehen, dass das „Meer der Krisen“ seine Ohren bildet, das „Meer der Fruchtbarkeit“ den Kopf, das „Nektarmeer“ die Vorderpfoten und das „Meer der Ruhe“ den Bauch. Das „Meer der Heiterkeit“ und das „Meer der Dämpfe“ bilden Hinterteil und Hinterpfoten. Am besten zu sehen ist der Hase in der Zeit des zunehmenden Halbmonds. Vielleicht könnt ihr den Hasen ja beim nächsten Blick auf den Mond auch entdecken ...
Veröffentlicht am 6. Mai 2026.