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#madamabutterfly Musiktheater

„Für mich ist 'Butterfly‘ ein Stück über Frauen und nicht nur über eine Frau.“

Über diskriminierende Dominanz, Realitätsflucht und Einsamkeit: Dramaturgin Caroline Scheidegger im Gespräch mit der Regisseurin Ulrike Schwab.

Als dritte Oper hier am Theater Bremen inszenierst du Madama Butterfly und damit eine der großen Frauengeschichten der Opernliteratur. Worum geht’s?

Ulrike Schwab: Erzählt wird die Geschichte von Cio-Cio-San, genannt Butterfly, deren Familie durch den Suizid ihres Vaters in Missstände und Armut geraten war und die nun in einem Teehaus als Geisha arbeitet, um ihre Familie durchzubringen. Der amerikanische Marine-Offizier Pinkerton kauft sie als vorübergehende Ehefrau für seinen Aufenthalt in Japan – aus Abenteuerlust und sicherlich auch für sein kurzfristiges sexuelles Vergnügen. Cio-Cio-San hingegen möchte sich verlieben. Sie will für diesen Mann ihre Kultur hinter sich lassen und die Rolle und Pflichten als amerikanische Ehefrau annehmen. Dass die Schein-Ehe für ihn nur ein Spiel ist, das will sie nicht wahrhaben. Als Pinkerton dann wieder in die USA zurückkehrt und Cio-Cio-San schwanger und mit dem Versprechen seiner baldigen Rückkehr zurücklässt, verbringt sie jeden Tag damit, auf ihn zu warten. Er kommt tatsächlich nach drei Jahren wieder, aber nur um das gemeinsame Kind abzuholen, weil er es mit seiner neuen amerikanischen Frau großziehen möchte. Cio-Cio-San überlässt ihm das Kind und nimmt sich selbst das Leben.

Die Geschichte geht auf eine Kurzgeschichte von John Luther Long und ein Drama von David Belasco zurück – zwei amerikanische Autoren, die sich zwar auf Reiseberichte stützten, aber selbst nie in Japan waren.  

Luther Long und Belasco, aber dann auch Puccini und seine Librettisten Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, haben sich sehr mit Japan beschäftigt und sich bemüht, Japan zu verstehen, aber trotzdem – und das muss man thematisieren, wenn man die Oper inszeniert – war ihre Faszination für den Orient natürlich vom damaligen Zeitgeist und einer westlichen Überheblichkeit geprägt.

Aus heutiger Perspektive begegnet man der Oper mit folgenden Schlagworten: kulturelle Aneignung, imperialistische Dominanz und diskriminierende Stereotypisierung.

Zu Recht. Man muss einen Umgang mit diesen Themen finden, sich dazu verhalten. Es wäre schade, ließe man die Oper einfach in der Schublade verschwinden. Denn was die Oper wirklich auszeichnet, ist, dass sie einen einfach immer wieder in dieser emotionalen Wucht bis ins Mark trifft. Sie ist voll von zutiefst menschlichen Themen, die einen auf verrückte Weise ganz direkt berühren und in denen sich ganz viele Lebensgeschichten spiegeln.

Die drei Themenkomplexe, die mir dabei am meisten am Herzen liegen, sind zum einen Cio-Cio-Sans Weigerung, die Realität anzuerkennen, ihre Flucht in eine vermeintlich bessere Scheinwirklichkeit. Dann ihre Suche nach Identität, ihrem Platz in der Welt. Darin spiegelt sich natürlich auch die Suche der Autoren und ihr euroamerikanischer Blick auf Nordostasien und letztlich auch unser eigener 120 Jahre später. Dieser Fragestellung will ich unbedingt nachgehen. Das dritte Thema schließlich ist die Einsamkeit – die Einsamkeit am Ende eines Lebens, die Einsamkeit kurz vor dem Tod und auch das Vermischen von Gegenwart und Sehnsucht, Erinnerung und Verklärung von dem, was war.

Dir war auch relativ bald klar, dass du das eine nicht erzählen kannst, ohne auch das andere zu erzählen.

Ja, ich kann diesem Werk nur gerecht werden, wenn ich diese Themen und eben auch die Geschichten, die da drin liegen, alle auf die Bühne bringe – nebeneinander. Für mich ist Butterfly ein Stück über Frauen und nicht nur über eine Frau. Und aus diesem Gedanken ist ein Konzept mit drei Cio-Cio-Sans entstanden. Jede von ihnen identifiziert sich aus ganz unterschiedlichen Gründen mit der Figur der Butterfly. Jede flüchtet sich in diese Geschichte, kämpft dagegen an, verliert sich in ihr. Wir sehen drei ganz unterschiedliche Frauen – unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen Biografien und unterschiedlichen Lebensrealitäten, die erst einmal nichts miteinander zu tun haben. Cio I, vielleicht 20 Jahre alt, hat einen nordostasiatischen Hintergrund und befindet sich in einem Ablösungsprozess von ihrer Familie. Cio II, eine Frau in den 40ern, hat ein Kind verloren und findet nicht aus ihrem Schmerz heraus. Die dritte Frau, San III, ist eine ältere Dame, vielleicht schon über 70, die in völliger Isolation lebt. Ihre eigenen Erinnerungen vermischen sich mit Fantasien über das Leben einer japanischen Frau.

Diese drei Frauen sind die ganze Zeit auf der Bühne.

Sie teilen sich die Partie, aber sie durchdringen auch die Passagen, die sie selber nicht singen, sie hören zu, sie durchleben die Momente der anderen Frauen in ihren Gedanken mit. Und so changiert der Abend eigentlich immer zwischen dem, was tatsächlich in ihrer Welt passiert, und dem, was sich nur in ihrer Vorstellung abspielt. Pinkerton zum Beispiel ist in der Gegenwart von allen drei Frauen gar nicht präsent, das heißt, er ist vielmehr eine Wunschvorstellung und steht für die Hoffnung auf den Retter. Oder ist auch eine verklärte Erinnerung an einen Liebhaber, den man hat ziehen lassen. Manchmal ist er auch konstruiertes Feindbild, dann wieder die Projektion eines Traummanns.

Veröffentlicht am 1. September 2025.

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