IDAHOBITA*
Am 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit. Ein Text von Dramaturgin Pia Syrbe.
Im Gegensatz zum CSD ist der IDAHOBITA* wohl nur wenigen bekannt. Die politische Dimension des Tages ist dennoch groß, richtet sich die Aufmerksamkeit des Gedenktages doch vor allem auf die Diskriminierung und Bestrafung von queeren Menschen in Deutschland und weltweit.
Am 17. Mai 1990 strich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel, seitdem gilt sie also nicht mehr als Krankheit.
Transgeschlechtlichkeit wurde erst 2018 von der WHO als Krankheit gestrichen. Anlässlich dieses historischen Datums wurde der IDAHOBITA* von Aktivist:innen ins Leben gerufen. Am 17. Mai gibt es allerdings auch noch eine zufällige Korrelation mit dem Paragrafen 175, der schwule Männer in der Bundesrepublik kriminalisierte. Das aus dem Kaiserreich stammende Gesetz wurde im Nationalsozialismus noch verschärft und öffnete Tür und Tor für die systematische Verfolgung homosexueller Männer. Auch in der Bundesrepublik blieb der Paragraf noch bestehen und sorgte nicht nur für Verhaftungen, sondern auch für ein bleibendes gesellschaftliches Stigma. In der DDR wurde Homosexualität schon seit Ende der 1950er Jahre nicht mehr bestraft, mit dem neuen Gesetzbuch von 1968 endgültig entkriminalisiert, ein offenes und unbeschwertes Leben war dennoch auch dort nur schwer möglich, für alle Geschlechter. Nach der Wiedervereinigung wurde der Paragraf erst 1994 endgültig aufgehoben. So bildete sich auch die umgangssprachliche Bezeichnung des „175ers“ als (auch abwertender) Code für Homosexualität heraus.
Trotz dieser historischen Meilensteine in Deutschland, die dazu beitragen sollten, Homosexualität zu entkriminalisieren und entstigmatisieren, ist auch heute ein gesellschaftliches Engagement gegen Queerfeindlichkeit notwendig.
Die Abkürzung IDAHOBITA* schließt dabei mittlerweile eine größere Vielfalt queerer Identitäten mit ein, die alle auf unterschiedliche Arten von Diskriminierung betroffen sind. Mittlerweile steht die Abkürzung für den Internationalen Tag gegen (international day against…) Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit. Aktuell lässt sich ein Anstieg von queerfeindlichen Straftaten beobachten, in einem politischen Klima, in dem Queerfeindlichkeit wieder salonfähig und immer populärer wird. Diese Narrative haben reale Konsequenzen, die sich in den Fallzahlen von queerfeindlichen Angriffen widerspiegeln – auch in Bremen. So wird immer wieder über Vorfälle berichtet, beispielsweise einen handgreiflichen Angriff auf zwei sich küssende Frauen in einer Bremer Straßenbahn. Umso wichtiger ist es, am IDAHOBITA* und an jedem anderen Tag, laut zu bleiben, für Vielfalt und Gerechtigkeit einzustehen.
Es gilt, sich nicht einschüchtern zu lassen, sich weiterhin für diese Werte einzusetzen und gegen wachsende rechte Narrative zu halten, die Queerness exotisieren und problematisieren wollen.
Ob aus einer Betroffenen-Perspektive oder nicht, die aktuellen Entwicklungen gehen alle an. Queere Menschen haben ein Leben ohne Angst verdient. Wir brauchen mehr queere Schutzräume, mehr Orte, die sich klar positionieren. Mehr Unterstützung und politische Förderung der queeren Jugendhilfe und anderer Institutionen statt immer weiterer Kürzungsvorschläge. Das Theater kann dabei ein Ort sein, der für alle da ist, auch als Raum für queere Selbsterfahrung und Ausdruck. Es hat die Kraft, Geschichten auf der Bühne zu zeigen, die verschiedene Lebensrealitäten spiegeln und nicht die immer gleichen Normen bestätigen. Ein Theater, das sich klar positioniert kann ein Diskursraum sein, ein Raum für Utopien, wo wir eine Gesellschaft sehen können, die wir uns wünschen, in der wir gerne leben wollen.
In einem politischen Klima, in dem homofeindliche Aussagen normalisiert werden, in dem marginalisierte Gruppen allgemein wieder zur Zielscheibe werden, kommt es darauf an, weiterhin dagegenzuhalten.
Dagegenhalten, auch als Nicht-Betroffene, sich dafür einsetzen, in einer offenen Gesellschaft zu leben, in der es nicht um die Beschränkung der Freiheit marginalisierter Gruppen geht, sondern um ein freies und gerechtes Leben für alle. Auch wenn die Diskriminierungsformen für die unterschiedlichen queeren Identitäten unter einem großen Regenschirm unterschiedlich sind, einen sie doch gemeinsame Standpunkte. Es gibt einen Unterschied zwischen der Diskriminierung aufgrund von Transphobie und der, die sich gegen die sexuelle Orientierung richtet. So sind trans Menschen die Vorreiter:innen dieser Bewegung und gleichzeitig politisch am stärksten gefährdet. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass rechte Politik bei anderen queeren Untergruppen Halt machen wird.
Noch immer kriminalisieren 65 Staaten weltweit Homosexualität, in insgesamt 12 Ländern steht sie sogar unter der Todesstrafe.
Trans und nicht-binäre Menschen werden weltweit in 15 Ländern kriminalisiert. Aber auch in Ländern, in denen sie nicht explizit kriminalisiert werden, sind queere und insbesondere trans und nicht-binäre Menschen weltweit von struktureller Benachteiligung betroffen. Das Laut-Werden, das Engagement, das fängt schon im nächsten Umfeld an – dem dummen Spruch vom Kumpel etwas entgegensetzen, die homofeindliche Bemerkung der Arbeitskollegin nicht stehenlassen, die transphobe Aussage des Nachbarn kommentieren … Oder aber durch Vernetzung im lokalen Umfeld, das Engagement in Vereinen, Spenden, die eigenen Kinder aufklären, Kinder und Jugendliche unterstützen und nicht die Bereitschaft verlieren, zu lernen und sich Fehler einzugestehen.
Der 17. Mai ist ein Gedenktag. Hier geht es also vor allem darum, die Missstände rund um queere Rechte zu thematisieren und zum Engagement dagegen aufzurufen.
Gleichzeitig ist es auch heilsam, verschiedenste Lebensrealitäten zu feiern, sie in Kunst auszudrücken, Musik als Ventil zu nutzen, um queere Vielfalt zu zeigen. Daher laden wir auf dem Common Ground nicht nur dazu ein, verschiedene queere Initiativen aus Bremen kennenzulernen, sondern auch zu einem Konzert des Queeren Chors Bremen und zum selbst Singen in der outdoor Karaoke-Bar. Es ist auch gerechtfertigt, nicht immer nur zum politischen Aktivismus aufzurufen, wenn allein die eigene Existenz jeden Tag politisch ist und regelmäßig politische Arbeit im Privaten und Öffentlichen erfordert. Darum: lasst uns queeres Leben immer wieder auch feiern, allem Gegenwind zum Trotz!
Veröffentlicht am 12. Mai 2026.