Kleines Haus / ausverkauft (eventuell Restkarten an der Abendkasse)

Die heilige Johanna der Schlachthöfe

von Bertolt Brecht

„Eine Welt muss umgestürzt werden, aber jede Träne, die geflossen ist, obwohl sie abgewischt werden konnte, ist eine Anklage, und ein zu wichtigem Tun eilender Mensch, der aus roher Unachtsamkeit einen armen Wurm zertritt, begeht ein Verbrechen.“ (Rosa Luxemburg) — Johanna kämpft. Für die Verlierer:innen der Industrialisierung und gegen die Gier ihrer Profiteure. Mit den schwarzen Strohhüten gründet sie eine gewaltlose Bewegung des Widerstands, die den Mächtigen gewaltig zusetzt. Bis an den Verhandlungstisch der Großkapitalisten schafft es das Mädchen Johanna und ringt dem Konzernchef Mauler Zugeständnisse ab. Als der sich angesichts verlockender Börsengewinne nicht an den Deal hält, sieht sie nur noch einen Ausweg: Gewalt zu gebrauchen, wo Gewalt gebraucht wird. Nach „Der gute Mensch von Sezuan“, „Die Ratten“ und „Auferstehung“ setzt Alize Zandwijk ihre Auseinandersetzung mit Fragen der Gerechtigkeit im Kapitalismus fort und beschäftigt sich – einmal mehr – mit einer starken, modernen Frauenfigur.

  • „Einerseits ist es ein toller Theaterabend mit bemerkenswerten schauspielerischen Leistungen in sehr intensiven Szenen. Die Idee, Puppen einzusetzen ist originell und das Bühnenbild vielseitig. Andererseits ist es eine ziemliche politische Predigt, was das Brecht-Stück ja schon mit sich bringt. Die Bremer Inszenierung hat noch einen draufgelegt. […] Es lohnt sich auf alle Fälle, hinzugehen. Auch wenn die kompromisslose Radikalität, die wahrscheinlich in unsere Zeit passt, etwas erschreckendes hat.“ (Christine Gorny, Bremen Zwei, 11. September 2022)

    „Zandwijk hat das Stück wohltuend von Textwust entschlackt, Teile umgestellt, der Inszenierung ein gut austariertes Tempo zwischen Statik und dynamischem, manchmal fast farcenhaftem Durcheinander verpasst. Und sie hat es sechs durchweg überzeugenden Schauspielern und Schauspielerinnen anvertraut. Herausragend ist Nadine Geyersbach als verschlagener, undurchsichtiger Pierpont Mauler, […] Ihr ebenbürtig ist Shirin Eissa als Johanna. Sie führt ihre Figur von einer beseelten, siegesgewissen Kämpferin, die ohne Punkt und Komma mit anklagend ausgestrecktem Arm deklamiert, hin zu einer Verstummten und Gescheiterten. […] Einen starken Einstand liefert Levin Hofmann in der Rolle des Sullivan Slift ab […] Christian Freund, Guido Gallmann und Denis Geyersbach geben die von Mauler über den Löffel balbierten anderen Großkopfeten zunehmend derangiert.“ (Iris Hetscher, Weser-Kurier, 13. September 2022)

    „Vom Klassen- bleibt in Bremen nur Johannas Zweikampf mit Fleischkönig Pierpont Mauler übrig, der einzigen Figur des Dramas, die Karl Marx gelesen hat. Deshalb vermag er, die Verhältnisse und seinen Börsen-Makler – tolles Solo von Levin Hofmann! – zum Tanzen zu bringen. Den Mauler aber spielt Nadine Geyersbach eindrucksvoll: Geschmeidig, sanft, aber doch stets mit verhaltener, raubtierhafter Gewalt, wechselt sie übergangslos zwischen Hysterie und eisiger Einsicht, Gefühlsduselei und knallhartem Kalkül, widersprüchlich, mefistofelisch, erotisch. Das ist ein Erlebnis.“ (Benno Schirrmeister, taz, 13. September 2022)

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