Junges.Theaterbremen

Brauhauskeller

Eddy (oder ein anderer)

ab 14 Jahren
frei nach Motiven von Édouard Louis
Eine Moks-Produktion

„We’re all born naked and the rest is drag.“ (RuPaul) — Wie sehr musst du dich selbst verleugnen, um dazuzugehören? Für Eddy, der als queerer Junge auf dem französischen Land aufwächst, stellt sich diese Frage radikal. Sein Umfeld, das von harter Arbeit und Ausbeutung geprägt ist, scheint genau zu wissen, wie ein Mann zu sein hat: stark, hart, trinkfest und sicher nicht „schwul“. Zeigt Eddy sich selbst so, wie er ist, widerfährt ihm Gewalt. Um den Schlägen zu entgehen, versucht er, sich anzupassen, schließt sich Jungs-Cliquen an, betrinkt sich und ist mit einem Mädchen zusammen. Als Eddy klar wird, dass er nur überlebt, indem er sich selbst belügt, bleibt nur noch eine Lösung: Er muss sich von seiner Vergangenheit befreien und fliehen, damit sich endlich ein Raum auftut, in dem er ein anderer werden kann. Oder er selbst. Frei nach Motiven aus den autobiografischen Romanen von Édouard Louis wird Regisseurin Yeşim Nela Keim Schaub danach fragen, wie frei wir eigentlich entscheiden können, wer wir sein wollen – und wie wir starren Rollenbildern entgegentreten.

  • Frederik Gora, Justus Ritter, Anne Sauvageot

    Regie Yeşim Nela Keim Schaub
    Bühne und Kostüme Simone Ballüer
    Licht Clara Lechner
    Musik Justus Ritter
    Dramaturgie Johannes Schürmann
  • „So viel jedenfalls ist sicher: Dem Theaterstück ‚Eddy (oder ein anderer)‘, das gerade am Bremer Theater zu sehen ist, geht es nicht um die Aussöhnung der Gesellschaft. Das geben weder die frei verquirlten Textfragmente aus Edouard Louis‘ autobiografischen Romanen her noch der inszenatorische Zugriff von Yeşim Nela Keim Schaub. […] So abstrakt-karg Simone Ballüers Bühnenbild daherkommt, so herzerweichend-plastisch ist das Spiel.“ (Jan-Paul Koopmann, Kreiszeitung, 18. Oktober 2023)

    „Wer schreibt eigentlich vor, wie ein echter Kerl zu sein hat? Und warum werden bestehende Rollenbilder, die doch eigentlich längst von gestern sein sollten, in bestimmten Gefügen immer wieder unhinterfragt reproduziert? Diese und weitere Fragen wirft "Eddy (oder ein anderer)" auf. Es ist eine Geschichte über Scham und Selbstwertgefühl, über soziale Ausgrenzung, Homophobie, Armut und Selbstermächtigung. Das Stück macht klar, dass nicht unbedingt immer richtig sein muss, was dein soziales Umfeld dir als richtig verkauft. Und dass es sich lohnen kann, aus ihm auszubrechen.“ (Alexandra Knief, Weser-Kurier, 9. Oktober 2023)