Schauspiel
Theater am Goetheplatz
Krieg und Frieden
nach Lew N. Tolstoi
17:30 Uhr Einführung
„Imagine there’s no countries / Nothing to kill or die for.“ (John Lennon) — In Tolstois monumentalem Werk spiegeln sich die großen philosophischen Fragen und historischen Ereignisse im Schicksal einzelner Menschen in Russland zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Roman formuliert ein Weltbild, das Geschichte nicht allein als Kausalkette begreift, sondern auch ihren Einfluss auf das Leben jedes Einzelnen in den Vordergrund stellt. Die skizzenhafte Annäherung an diesen Geschichtsepos um das Schicksal dreier Adelsfamilien zur Zeit der Napoleonischen Kriege beschäftigt sich nicht nur mit den Fragen, wie machtpolitische Interessen sich mit privaten Glücks-, Liebes- und Lebensträumen verbinden, sondern auch mit der Emanzipation der Frauen jener Zeit zu selbstbewussten, handelnden Figuren in einer Welt voller Veränderungen und Umbrüchen. Regie und Ensemble ringen um einen künstlerischen Ausdruck für weltweite Kriegssituationen. Zwischen Frontkämpfen und Salontratsch, zwischen Ehe- und Feldbetten sucht die Inszenierung nach Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten.
- Dolochow, Fürst Wassili Kuragin, frz. Beamter, Fürst Metternich, russ. Diplomat, Chor Manolo Bertling
Hélène Kuragina, Chor Lieke Hoppe
Lisa Bolkonskaya, Natalja Rostowa, Chor Sofia Iordanskaya
Andrej Bolkonsky, Anatole Kuragin, Chor Ferdinand Lehmann
Fürst Bolkonsky, General Kutusow, Chor Andreas Leupold
Marja Bolkonskaya, Priester, Chor Mathilda Maack
Boris Michailow, Denissow, Diener, Chor Timos Papadopoulos
Nicolai Rostow, Chor Ruben Sabel
Sonja, österreichische Gesandte, Anna Michailowna, Chor Stephanie Schadeweg
Gräfin Rostowa, Emily Besuchowa, Chor Susanne Schrader
Pierre Besuchow, Chor Alexander Swoboda
Alter Graf, Napoleon, Petja Rostow Caline Weber
Graf Rostow, Arzt, Chor Ronald Kukulies
Regie Armin Petras
Bühne Peta Schickart
Kostüme Annette Riedel
Licht Norman Plathe-Narr
Musik Johannes Hofmann
Video Rafael Ossami Saidy
Dramaturgie Horst Busch
- „Petras hat den Kern der Tolstoi-Vorlage erhalten, darüber hinaus eigene Akzente gesetzt und den Stoff angemessen modernisiert. So ist eine unterhaltsame Bühnen-Fassung entstanden, trotz des Themas auch mit einigem Witz. Überhaupt hat sich das Ensemble den begeisterten Schluss-Applaus redlich verdient. Ich kann nur empfehlen, sich diese vier Stunden Zeit zu nehmen.“ (Christine Gorny, Bremen Zwei, 8. März 2026)
„Wo Köhler in Düsseldorf einen großen Raum eröffnet, verengt Petras die Perspektive: Wir blicken in einen kahlen Waschbetonbunker, dessen Decke sich immer wieder herabsenkt, als sollte er die Menschlein darunter zerquetschen. In Video- und Live-Videosequenzen geht es dann allerdings hinaus in winterliche Landschaften.“ (Andreas Schnell, nachtkritik, 8. März 2026)
„Petras greift die Montagetechnik Tolstois auf und entwirft einen opulenten Bilderbogen mit Impressionen, der in sechs Akte gegliedert ist. Die Inszenierung punktet, vor allem im ersten Teil, mit sprudelndem Einfallsreichtum. […] Die weit nach hinten gezogene Bunkerbühne von Peta Schikart, deren Decke immer wieder so weit nach unten fährt, dass sie die Menschen zu zerquetschen droht, verwandelt sich geschickt mithilfe weniger Requisiten vom Schlachtfeld in einen Salon in ein Landgut.“ (Iris Hetscher, Weser-Kurier, 8. März 2026) - Die Inszenierung thematisiert und zeigt explizit: Tod, Suizid, Geburt, Flucht- und Kriegs-Szenen, das Ausnehmen eines Tiers, Feuer und schwere körperliche, wie psychische Verletzungen. Außerdem werden Geschlechtsverkehr, sexuelle Übergriffe und Schwangerschaftskomplikationen thematisiert. Die Themen Trauer und Verlust werden ebenso behandelt. Es gibt laute Knalleffekte.