Schauspiel

Kleines Haus

Raub. Verladene Erinnerungen

Uraufführung
Ein dokumentarischer Leer-Raum
von Melina Spieker und Jan Grosfeld
mit englischem Übertext
19 Uhr Einführung

„Die Welt erkaltete, der Mensch verblich.“ (Else Lasker-Schüler) — Dezember 1942: Ein Frachter erreicht Bremen, gechartert hat ihn ein großes Bremer Speditionsunternehmen. Er transportiert Möbel und Hausrat in die Hansestadt, geraubt vom NS-Regime aus den Wohnungen europäischer Jüdinnen und Juden. Der Transport ist Teil der systematischen Enteignung der jüdischen Bevölkerung durch Nazideutschland. Versteigerer, Gerichtsvollzieher und Finanzbeamte verkaufen das Raubgut im Weserstadion, im Auktionslokal im Bremer Schnoorviertel, in einer Turnhalle, im Hafengebiet. Die Bremer Bevölkerung strömt zu den Verkäufen und macht sich so zur Mittäterin der antisemitischen Vertreibungen und Deportationen. „Raub. Verladene Erinnerungen“ beschäftigt sich mit der Frage, wie Einzelne, Unternehmen und Institutionen aus dem Unrechtssystem der NS-Diktatur Profit schlagen konnten – bis heute. Welche verdrängten Überreste umgeben uns, welche Geschichte(n) erzählen sie? Und wie können wir für die Zukunft erinnern?

  • Karin Enzler, Emma Floßmann, Guido Gallmann, Levin Hofmann, Melina Spieker

    Regie Melina Spieker
    Künstlerische Mitarbeit Jan Grosfeld
    Bühne und Kostüme Lauren Müller, Carla Warneboldt
    Licht Katrin Langner
    Musik Janis Elias Müller
    Videodesign Patrick Peljhan
    Dramaturgie Stefan Bläske
    Inhaltliche Beratung Henning Bleyl
  • „Ich kann den Abend wirklich nur empfehlen […]. Hinten ist eine riesige Leinwand, da werden die ganze Zeit aktuelle Videoaufnahmen von Bremen gezeigt, also die Orte im Jetzt, über die in der Vergangenheit gesprochen wurde. Das vermittelt sehr gut: Guck, genau da ist das passiert, wir kennen diesen Ort, wir waren vielleicht schon mal da, aber nichts weist vor Ort auf diese Geschichte hin.“ (Frieda Ahrens, Bremen Zwei, 6. März 2026)

    „‚Raub. Verladene Erinnerungen‘ ist ein mutiges Stück, denn es schont das Publikum nicht. Es emotionalisiert nicht, es appelliert nicht, es stellt keine expliziten Fragen – aber es erzeugt einen Raum, in dem diese Fragen unausweichlich werden.“ (Amanda Böhm, taz, 9. März 2026)

    „Emotional berührend sind in ‚Raub. Verladene Erinnerungen‘ allein jene Momente, in denen aus den Briefen von Käthe und Adolf Maass an deren Ende der Dreißigerjahre nach Kanada emigrierte Kinder
    vorgelesen wird. Die beiden schienen bis zu ihrer Deportation davon überzeugt gewesen zu sein, dass die Menschen sich besinnen und die Dinge sich zum Besseren wenden würden – und wurden bitter eines Schlechteren belehrt.“ (Wolfgang Höbel, Der Spiegel, 7. März 2026)
  • Die Inszenierung thematisiert antisemitische Verfolgung und die Shoah (Flucht, Deportation und Tod).
    In wenigen Szenen wird Gegenlicht und Bodennebel eingesetzt.