Wolfgang Amadeus von Sauschwanz: der miauende Dirigent.
Mensch, Mythos, Wunderkind – wenn es um den Zauberflöten-Komponisten geht, reicht die Liste an Zuschreibungen, Rätseln, Legenden und Annahmen mindestens von Bremen bis nach Salzburg. Zeit, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen, denkt Dramaturgin Frederike Krüger.
Name
Ein Virtuose war Mozart nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch was seine eigene Namensgestaltung anging. Geboren wurde er am 27. Januar 1756 nämlich nicht als eben jener Wolfgang Amadeus Mozart, sondern als getaufter Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart. Mehr als zwanzig Namen hat er sich selbst gegeben und unterschrieb wahlweise als: Wolfgang de Mozart, Edler von hochenthal, gnagflow Trazom, Der Trazom (franz v: Nasenblut), der nehmlich hanswurst, Wolfgang gottlieb Mozart, Wolfgang Adam Mozart, Wolfgang Romatz, Edler von Sauschwanz, Wolfgang Amadé Rosenkranz und so weiter. Während seiner Europareisen nannte er sich Wolfgango Amadeo oder schließlich Wolfgang Amadé, seltener Wolfgang Gottlieb. Mozarts Familienname stammt aus dem Schwäbischen und bedeutet vermutlich „aus dem Moor/Sumpf“ (abgeleitet von Hardt/Hart). Sein Kosename für Familie und Vertraute war schlicht „Wolferl“.
Wunderkind
Bereits mit drei Jahren konnte Mozart hervorragend Klavier spielen, mit fünf komponierte er bereits ein Menuett und mit sieben soll er Violine erlernt, mit acht seine erste Sinfonie und mit zwölf seine erste Oper geschrieben haben. Außerdem sprach er neben seiner Muttersprache Deutsch auch Latein, Italienisch und Französisch, später kam Englisch hinzu.
Aussehen
Mozart soll zwischen 1,53 Meter und 1,62 Meter groß gewesen sein, ein Bekannter beschrieb ihn als „einen bemerkenswert kleinen Mann, sehr dünn und blass, mit einer Fülle feinen, hellen Haares, auf der echt eitel war.“ Oft trug er einen roten Mantel und einen goldenen Dreispitz bei seinen Auftritten. Lange Zeit war seine Augenfarbe ein Mysterium, die er konsequent in blau malen ließ, weil das dem Schönheitsideal seiner Zeit entsprach. In Wirklichkeit soll er jedoch braune Augen gehabt haben.
Ritterschlag
1770 hat Papst Clemens XIV. Mozart zum Ritter vom Goldenen Sporn geschlagen, der zweithöchste päpstliche Orden. Durch diese Ernennung wurde der 14-jährige Mozart offiziell in den Adelsstand erhoben.
Spieler
Der Place to be im Wien des 18. Jahrhunderts war unter anderem der Billardtisch. Auch Mozart ließ sich gut und gerne zu einer Partie hinreißen und soll sich irgendwann sogar selbst einen Billardtisch für seine Wohnung gekauft haben. Viele seiner musikalischen Einfälle soll er beim Billardspielen gehabt haben.
Genuss
Mozarts Leibspeise war Leber mit Sauerkraut.
Reisen
Schon als kleines Kind war Mozart ein weitgereister Mensch und schaffte es sogar bis nach London; vor dem Hintergrund der Tatsache, dass zur damaligen Zeit die Kutsche das Fortbewegungsmittel Nummer Eins war – unbequem und langsam – ein beeindruckender Umstand. Eine Reise von und nach Wien, der Wahlheimat Mozarts, konnte über eine Woche dauern. Insgesamt unternahm Mozart 17 Reisen an schätzungsweise 3720 Tagen. Das sind 10 Jahre, 2 Monate und 2 Tage.
Tierliebe
Mozart war ein ausgesprochener Tierfreund, er und seine Familie hielten sich in ihrem Wohnhaus am Marktplatz in Salzburg zwar keine Katzen, Hamster oder Goldfische, sondern Singvögel. Wie passend. Außerdem hatte er noch eine Hündin: Foxterrier „Pimperl“. Der Hund soll nicht gut erzogen gewesen sein und gerne vom Tisch gegessen haben. Später in Wien hatte Mozart wieder mehrere Vögel, darunter einen Star (gleich und gleich gesellt sich gern). Diesem widmete er sogar ein Gedicht, als der Vogel 1787 starb: Gedicht auf seinen toten Star. Außerdem soll Mozart gern eigene Tierlaute von sich gegeben haben. Das Publikum irritierte er unter anderem damit, dass er beim Dirigieren gelegentlich miaute.
Finanzen
Immer wieder heißt es, Mozart soll zeit seines Lebens arm gewesen sein. Das stimmt nicht ganz, seine Musik brachte ihm schon ein stattliches Vermögen ein, sein Lebensstil war aber ungleich stattlicher. Glücksspiel (am Billardtisch), teure Wohnungen, schöne Kleider, gutes Essen. Allein in Wien soll er 12 Wohnungen gemietet haben. Das Geld ging schneller, als es kam.
Flöte (gar nicht zauberhaft)
Mozart hatte ein Instrument, das er besonders wenig leiden konnte – die Flöte. Was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, wenn man bedenkt, dass Die Zauberflöte eines seiner bekanntesten Werke überhaupt ist. Er soll den Klang schlicht nicht ertragen haben. Eine andere Überlieferung der Geschichte besagt, dass ein Flötist ihm Geld schuldete und er deswegen die ausgeprägte Antipathie gegenüber dem Instrument entwickelte.
Gute Ohren
Mozart soll ein absolutes Gehört gehabt haben, also die seltene Fähigkeit, Töne ohne Referenzton sofort zu erkennen und benennen zu können. Diese Begabung ermöglichte es ihm, komplizierte Musikstücke nach einmaligem Hören auswendig nachzuspielen. So zum Beispiel nach einem Besuch in der Sixtinischen Kapelle, wo Mozart das mehrstimmige Miserere von Gregori Allegri hörte. Zuhause schrieb er aus dem Gedächtnis die Partitur auf. Damit lüftete er ein gut behütetes Geheimnis des Vatikans: Denn das Miserere durfte nur in der Karwoche in der Sixtinischen Kapelle vorgetragen werden, die Noten dazu durfte niemand besitzen.
Direkte Worte
Mozart liebte die Doppelbödigkeit, immer wieder konterkariert seine Musik die vermeintliche Lieblichkeit des Textes. Doch er konnte auch anders: Leck mich im Arsch ist ein sechsstimmiger Kanon, den er 1782 getextet hat. 1783 schrieb Mozart in einem Brief: „Ich hoffe nicht, dass es nötig ist zu sagen, dass mir an Salzburg sehr wenig und am Erzbischof gar nichts gelegen ist und ich auf beides scheiße.“
Arbeitswut
626 gesicherte Werke hat Mozart hinterlassen, die im sogenannten Köchelverzeichnis erfasst sind. Komponiert hat er vermutlich weit über 700 Werke. Darunter: 18 Messen, 12 Violinkonzerte, 13 Werke für Blasinstrumente und Orchester, 18 Klaviersonaten, 42 Lieder, 23 weitere Orchesterwerke, 30 Klavierkonzerte, rund 60 Sinfonien und 21 Opern. Es wird geschätzt, dass Mozarts kompositorisches Gesamtwerk etwa 240 Stunden Musik umfasst und er für seine Kompositionen mehr als acht Kilometer Notenpapier verbraucht hat.
Tod
Mozart starb am 5. Dezember 1791 mit gerade einmal 35 Jahren (auch für damalige Verhältnisse ein früher Tod), nur wenige Monate nach der Uraufführung seiner letzten Oper Die Zauberflöte. Die Frage nach der Todesursache führte zu endlosen Spekulationen: von hitzigem „Frieselfieber“ (das der Medizin gänzlich unbekannt ist), über Syphilis und eine Quecksilbervergiftung aus der Freimaurerschaft bis zu der hartnäckigen-spektakulären Theorie, der Komponist und vermeintliche Erzfeind Antonio Salieri habe seinen Kontrahenten ermorden lassen. Der (vorerst) letzte Stand der Untersuchungen besagt, Mozart sei an rheumatischem Fieber gestorben. Einer Krankheit, an der er bereits als Kind gelitten haben soll. Der Mythos, Wolfgang Amadeus Mozart sei in einem anonymen Armengrab verscharrt worden, ist falsch. Er wurde standesgemäß in einem Reihengrab für Bürger:innen der Mittelschicht auf dem St. Marxer Friedhof in Wien beigesetzt, was der damaligen Begräbnisordnung entsprach. Seine Ehefrau Constanze soll jedoch erst nach 17 Jahren das Grab ihres Mannes besucht haben, Gründe unbekannt.
Veröffentlicht am 18. Mai 2026.