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#NeuamHaus #derfeurigeengel Musiktheater

Neu am Haus: Pia Syrbe

Sie hat an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler studiert, an der Komischen Oper und der Deutschen Oper gearbeitet und ist seit dieser Spielzeit fest am Theater Bremen als Musiktheaterdramaturgin: Pia Syrbe. Diana König, Leiterin der Presseabteilung, hat sie auf einen Kaffee getroffen.

Dein Einstieg hier am Haus ist die Prokofjews Oper Der feurige Engel. Am Pult der Philharmoniker steht Stefan Klingele, Regie führt Barbora Horáková. Die hat schon wirklich an großen Häusern gearbeitet – unter anderem in Wien, Leipzig, Dresden, Amsterdam, Antwerpen, London, Oslo, Berlin. Hast du Respekt vor der Zusammenarbeit?

Pia Syrbe: Klar. Ich glaube, ich habe Respekt vor jeder Zusammenarbeit. Vor dieser natürlich noch mehr, weil es die erste hier am Haus ist und ich mich noch nicht so gut auskenne und das Haus mit dieser Produktion kennenlerne. Aber ich habe jetzt keine Angst vor großen Kalibern und habe schon in verschiedenen Konstellationen und Größenordnungen gearbeitet.

In einem Gespräch, das wir zum Feurigen Engel geführt haben, hast du erzählt, dass die Hauptfigur, Renata, gelegentlich als „hysterisch“ beschrieben wird. Sie hat von Kindheit an Visionen, oft von einem feurigen Engel, hört Stimmen und sieht Bilder, die andere Menschen nicht sehen. Ich würde da an eine psychische Erkrankung denken, warum kommt schnell das Wort „hysterisch“?

Das hat sicher mit der Entstehungsgeschichte der Oper zu tun. Die basiert auf einem Roman von Waleri Brjussow, das ist ein russischer, symbolistischer Autor. Er hat darin seine Beziehung zu einer Frau verarbeitet, das heißt, es gibt ein reales Vorbild für Renata: Nina Petrowskaja war für viele Schriftsteller und Künstler eine Muse im Russland um 1900. Die Jahrhundertwende war eine Hochphase der Psychologie mit Freud und in Frankreich mit Jean-Martin Charcot, der eine eigene Klinik betrieb, in der vor allem Frauen untergebracht waren, die er als „hysterisch“ bezeichnet hat. Hysterie war damals ein Krankheitsbild, heute gibt es das so nicht mehr. Einzelne der darunter zusammengefassten Symptome werden heute anders genannt und auch als psychische Erkrankung behandelt. Als hysterisch hat man aber vor allem Frauen charakterisiert, die nicht den gesellschaftlichen Normen entsprachen, man bezeichnete damit sexuelle Lust, aber auch Probleme in der Ehe, Depressionen oder Schizophrenie. Es war auf jeden Fall eine frauenfeindliche Beschreibung, sie kommt aus dem Griechischen und meint eine „wandernde Gebärmutter“: das ist eine Gebärmutter, die unbefruchtet bleibt und diese Tatsache führt dann zu „hysterischen“ Ausbrüchen. In der Inszenierung von Barbora Horáková wird es vor allem um die Bewältigung traumatischer Erinnerungen gehen, die bei Renata auch zu psychischen Ausnahmezuständen führt.

Du bist 27 Jahre alt und arbeitest seit zwei Jahren in der Musiktheaterdramaturgie – angefangen hast du in der Komischen Oper Berlin. Warum hast du dich für diesen Beruf entschieden?

Ich habe Musikwissenschaft studiert, zu Beginn so ein bisschen aus Orientierungslosigkeit, habe aber schnell meine Faszination für das Musiktheater entdeckt. Mit 20 Jahren habe ich dann das erste Mal hospitiert, an der Deutschen Oper. Dabei habe ich das Berufsbild der Dramaturgin überhaupt erst richtig kennengelernt. Daran hat mir gefallen, dass es so vielfältig ist. Man muss mit vielen Menschen kommunizieren, man tritt auch mit dem Publikum in Kontakt, man moderiert und vermittelt zwischen unterschiedlichen Parteien. Zudem lese ich gern, ich schreibe gern Texte, ich arbeite mich gern ein in Themen, ich arbeite künstlerisch mit, das gefällt mir gut. Im Studium habe ich noch viele verschiedene Sachen ausprobiert wie Regieassistenz, Inspizienz, ich habe auch als studentische Hilfskraft in der Wissenschaft gearbeitet. Aber ich wollte immer wieder zum Theater und in die Praxis zurück.

Häufig stellt sich die Frage nach der Aktualität der Oper: Alte Stoffe, einfache Geschichten, viele Stereotype … manche würden sagen, die Sparte stirbt langsam aus. Ich nehme an, du findest, dass das Musiktheater Zukunft hat – wie könnte die aussehen?

Das ist ja eine riesige Frage. Ich glaube schon, dass das Musiktheater großes Potential hat, zukunftsfähig zu sein. Aber es muss auch vieles stimmen: die Stoffe, die man auswählt, die Partner:innen, mit denen man arbeitet. Man hat natürlich immer mit einem Kanon zu tun, mit großen Stücken, die das Publikum – zu Recht auch – gern immer wieder sehen möchte. Aber es gibt ja auch Möglichkeiten, die mit heutigem Blick zu betrachten – wie wir das zum Beispiel zum Ende dieser Spielzeit mit Der Zauberflöte machen möchten. Es gibt einfach Opern, deren Stoff ist nicht mehr aktuell, aber die Musik ist so stark, dass sie einen nicht loslässt. Dann hat es eine große Berechtigung, sie mit heutigem Zugang aufzuführen und damit auch zu einem Diskurs anzuregen. Aber ich bin auch für neue Opern, ich würde gern mehr Stimmen hören, Opern von zeitgenössischen Komponist:innen. Ich bin eine große Freundin von Formaten, Stückentwicklungen. Davon, Popkultur nicht nur von oben herab anzuschauen, sondern einzubinden und Barrieren abzubauen, um verschiedenste Menschen für Musiktheater zu begeistern. Das finde ich faszinierend – diese riesige Bandbreite, die sich bietet.

Du hast einen Teil des Opern-Uraufführungsformats Neue Szenen in der Tischlerei der Deutschen Oper betreut. Was will das Format und was nimmst du daraus mit?

Das ist ein Uraufführungsformat für junge Komponist:innen und Librettist:innen, ein Kooperationsprojekt mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler – das soll dem zeitgenössischen Blick auf Musiktheater eine Bühne geben. Das ist fast wie ein Labor, weil man die Chance hat, sehr stark beim Entstehungsprozess dabei zu sein.

Du bist im Moment Stipendiatin der Akademie Musiktheater heute der Deutsche Bank Stiftung. Wie wirst du da gefördert?

Das ist vor allem ein Stipendium, das Austausch und Netzwerken fördert. Jedes Jahr werden 15 Menschen aufgenommen, die aus unterschiedlichen Sparten des Musiktheaters kommen – Regie, Dramaturgie, Dirigieren, Komponieren, Libretto, Bühne, Kostüm – am Ende der Förderung wird eine Uraufführung auf die Bühne gebracht. Wichtig für mich ist vor allem der stetige Austausch – auch mit etwa Gleichaltrigen. Wir treffen uns regelmäßig in verschiedenen Städten und sehen dort Musiktheateraufführungen – und tauschen uns untereinander aber auch mit den Regieteams aus. Bei uns wird die Uraufführung im Oktober nächsten Jahres in Frankfurt am Main sein, es spielt das Ensemble Modern.

Jetzt haben wir nur über Theater gesprochen – mich würde interessieren, was für Musik du privat hörst?

Ich bin kein Snob mit Popmusik und lege mich da nicht auf ein Genre fest, im Gegenteil, ich höre Indie-Pop Bands, auch gern feministischen Pop. Gerade höre ich aber auch sehr gerne Podcasts.

Wenn du an die Zeit, die jetzt hier in Bremen vor dir liegt, denkst, was wünschst du dir?

Ich freue mich auf bereichernde Produktionen und in diesen Unterschiedliches auszuprobieren und mit hoffentlich tollen Teams zu arbeiten. Und ich freue mich sehr, dass ich jetzt an einem Mehrspartenhaus arbeite und so die Gelegenheit habe, in die verschiedenen Sparten zu gucken. Ich freue mich auf das Leben in dieser Stadt, weil ich die sehr sympathisch finde, auf kurze Wege und schöne Begegnungen.

 

Veröffentlicht 16. Oktober 2025.

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