In meinem Kalender stehen die Einträge noch alle: Das großartige Stück Young dogs do cry sometimes wollte ich noch einmal mit meiner Familie sehen. Riesige Vorfreude auf Die heilige Johanna der Schlachthöfe-Premiere, Club-Abende und vieles mehr waren fest eingeplant.

Nicht nur im Kalender.

Sondern im Leben. Für das Leben. Als Inspiration, als Gedankenanreger, als Must-Have. Als Nahrung. Als analoges Gegengewicht. Als das Echte. Die Situation. Systemrelevant, für mein System.

Und jetzt. Nichts. Wo ich es am meisten brauchen würde.

Ein Stream. Hier und da. Gute Ideen, gute Leute, gute Konzepte. Aber für mich ist das nichts nach den vielen Stunden Video-Konferenz eines Arbeitstages. Und ich bin nicht da. Ich habe das Theater ja gerade erst wegen der krassen Echtheit „entdeckt“. Die Kraft im Raum zwischen den Schauspieler*innen und mir gespürt. Aus der Kraft der Präsenz. Gemerkt und nicht gedacht.

Gab es jemals eine größere Notwendigkeit für Theater?

Ich wäre gerne schon jetzt in der Zukunft, in der diese Zeit auf der Bühne bearbeitet, besprochen, bespielt und betanzt wird. Ich möchte mich schon auf die Stücke freuen, die Karten kaufen und wieder Termine in meinen Kalender eintragen. Ich vermisse die Musik. Egal ob die klassische Oper, die wunderbaren Sonntage für die Kinder, die Musik im Schauspiel und natürlich die großartige Musik im Tanz. Und dann fehlt der Tanz. Die Präsenz der Menschen, die tanzen. Die Poesie ihrer Bewegungen. Diese alternative Form der Kommunikation, die in einer anderen Hirnregion spielt. Eine Verbindung ohne Worte oder Bilder.

Und ich habe auch eine Idee:

Lasst uns doch ins Theater gehen mit zwei Sitzen und zwei Reihen Abstand. Zugegeben, es sind dann weniger Plätze. Aber zumindest gäbe es eine Notversorgung für Menschen mit systemrelevanter Theatersucht.

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