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#sissy Musiktheater

Sissy Superstar

Über das Unperfekte, das Menschliche und die Freiheit, man selbst sein zu können, spricht vor der Premiere der Operette Sissy die Dramaturgin Frederike Krüger mit der Kostümbildnerin Gabriele Rupprecht und dem Bühnenbildner Volker Thiele.

Frederike Krüger: Jahr für Jahr tanzt sie sich in den berühmten Filmen mit Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm durch weihnachtlich geschmückte Wohnzimmer – Kaiserin Elisabeth, genannt Sissi, in der Operette mit y geschrieben. Was war euer erster Gedanke, als die Anfrage für die Ausstattung kam?

Gabriele Rupprecht: Operette ist für mich immer etwas ganz Besonderes. Und natürlich gerade der Sissi-Stoff. Doch nach der ersten Euphorie, in der ich von opulenten Tüllkleidern träumte, kam gleich die Frage auf: Gehen wir wirklich von der historischen Sissi aus beziehungsweise von dem Bild, das wir von ihr haben, oder sind wir freier? Als dann auch die Besetzung von Arvid Fagerfjäll als Sissy feststand, eröffneten sich für uns nochmal ganz andere Möglichkeiten, Sissy und ihre Welt zu erzählen.

Volker Thiele: Ich gestehe, die Sissi-Filme gehören auch bei uns zu Hause zum festen Weihnachtskanon. Dass eine Sissy-Operette existiert, wusste ich allerdings nicht. Und noch mehr überrascht war ich, zu erfahren, dass der Drehbuchautor und Regisseur der Filme Ernst Marischka zusammen mit seinem Bruder Hubert das Libretto für die Operette geschrieben hat. Und dann habe ich mich sehr bald gefragt: Kann man mit dieser Operette heute noch eine vergleichbare Lust auf das Sujet wecken, wie es die Filme immer noch schaffen. 

Die Filme haben immer noch eine große Wirkung, oder?

Volker Thiele: Ja, durchaus, aber im Vergleich zur Operette erscheinen sie doch recht humorlos zu sein. Das Heimatbild und das Landschaftsidyll werden mit großer Ernsthaftigkeit dargestellt, das hat schon fast sakrale Züge. Und das hatte ja auch einen Grund: Die Filme trafen nach dem Krieg auf eine verletzte Volksseele, die damit beschäftigt war, sich neu aufzurichten. Dieser sich im Wiederaufbau befindenden Gesellschaft sollten Unterhaltung, Leichtigkeit und Schönheit geboten werden, Ablenkungen, in die man sich hineinfallen lassen konnte.  

Wie idyllisch ist die österreichische Bergwelt in Bremen? 

Volker Thiele: Die Spielorte, Sissys bayerische Heimat und auch die Kaiserresidenz in Ischl, sind geprägt von idyllischen Landschaftsbildern. Sissy und ihre Welt werden hochgradig idealisiert, sind mehr Produkt von Fantasie und Sehnsucht als die Darstellung der Realität. Sie sind ein gemaltes Idyll. Das wollte ich auch im Bühnenbild zeigen: Mit der gemalten Kulisse wird die Bergwelt einerseits gezeigt und so Erwartungen bedient, andererseits ist sie eben gemalt und damit künstlich. Sie entspricht also vielmehr einer Idee von etwas. Mehr und mehr wird die Kulisse dann als das enttarnt, was sie ist: eine Kulisse. Das perfekte Bild wird auseinandergebaut. Auch, damit etwas Neues entstehen kann.

Auch mit den Kostümen sind bestimmte Erwartungen und Sehnsuchtsbilder verbunden.

Gabriele Rupprecht:  Mir ist es wichtig, Seherwartungen nicht zu enttäuschen. Aber der Film wie die Operette nutzen die Figuren als Vorlage, machen aus ihnen aber idealisierte Schablonen. Ich finde zum Beispiel die einseitige Verherrlichung von Elisabeth in den Filmen ebenso fragwürdig wie die Negativzeichnung von Sophie, die der Kaiserin gegenübergestellt wird. Beides wird ihnen nicht gerecht. Uns interessieren die Menschen hinter diesen Schablonen. Es ist gerade ihre Mehrdimensionalität, die uns reizt und so versuchen wir ihre Geschichten neu zu erzählen, fernab von historischer Korrektheit und filmischer Überlieferung.

Was erzählen die Kostüme über Sissy als Mensch und als Projektionsfläche?

Gabriele Rupprecht: Ich wollte Sissy ihre Freiheit verleihen. Elisabeth war eine freiheitsliebende Person, die in Possenhofen, der Sommerresidenz ihrer Eltern, frei und ungebunden in der Natur herumstreifen konnte. Ihre Naturverbundenheit und ihre unkonventionelle, natürliche Art waren durchaus ein Erbe ihres Vaters Max, der ein unangepasstes Leben führte. Das Mädchen, das in Hosen auf einen Baum klettert und die monarchisch ambitionierte Dame beim Wiener Hofzeremoniell in großer Robe mit Tüllkleid – auch die große Ambivalenz der Figur soll in den Kostümen sichtbar werden. Diese steht im Gegensatz zu Figuren, die sich rollenkonform und angepasst verhalten wie Franz Joseph oder Erzherzogin Sophie. Sie sind in ihre Kostüme nahezu eingenäht und in ihre Kleider hineingepresst wie in ihre gesellschaftliche Position. 

Kleidung ist seit jeher mit sozialen Zuschreibungen und Rollen verbunden, vor allem wenn es Geschlechterstereotype geht, die in der Bremer Inszenierung thematisiert und in Frage gestellt werden. 

Gabriele Rupprecht: Kleidung definierte über die Jahrhunderte hinweg die gesellschaftliche Stellung wie das Geschlecht. Jeder sah sofort, ob sein Gegenüber arm oder reich oder ein Mann oder eine Frau war. Im Gegensatz zur Kinderkleidung übrigens. Erst im 20. Jahrhundert wurden durch Farben wie Rosa und Blau Mädchen oder Jungen auf den ersten Blick unterscheidbar. Aber es gab immer schon Menschen, die sich den geschlechtsspezifischen Kleiderordnungen nicht unterwerfen wollten, die beispielsweise als Frau eine Hose und als Mann ein Kleid tragen wollten. Das fand aber eher im Verborgenen statt. Dies änderte sich in den 1920er Jahren, wo in bestimmten sozialen Kreisen das Selbstbewusstsein aufkam, mit den Zuschreibungen lockerer umzugehen und mit Crossdressing experimentiert wurde. Ich bin sehr froh darum, dass die Geschlechterzuschreibungen von Kleidung sowohl in unserer Sissy-Inszenierung wie allgemein gesellschaftlich in Frage gestellt werden. Ein Kleidungsstück ist erstmal ein Kleidungsstück und sollte für alle da sein. 

Der Sissy-Mythos scheint zeitlos zu sein und ständig neue Generationen in seinen Bann zu ziehen. Welche Sehnsüchte manifestieren sich da immer wieder?  

Volker Thiele: Es ist bemerkenswert, dass es gerade in den letzten Jahren einige neue Sissy-Adaptionen gab, in denen ein anderes Bild dieser bislang extrem idealisierten Royal-Ikone gezeichnet wird. Jede neue Adaption versucht, die Rolle, die Sissy erfüllt, zu befragen. Wie wir das eben auch tun und uns fragen, wie es heute um die Vorbildfunktion von Sissy bestellt ist.

Und, kann Sissy Vorbild sein? 

Volker Thiele: Ich glaube, dass wir als Gesellschaft zunehmend skeptisch auf vermeintliche Idyllen und perfekte Personen schauen. Das liegt sicher auch an unserem Umgang mit sozialen Medien und der immer häufigeren Konfrontation mit KI-generierten Bildern. Wenn uns Dinge und Menschen als zu schön, zu unberührt erscheinen, suchen wir das Unperfekte, die Widersprüche und Abgründe. Es geht darum, das Menschliche darin zu finden, auch im „Superstar Sissy“.

Gabriele Rupprecht: Ich denke, wir versuchen die Entzauberung der Sissy-Figur zu nutzen, um etwas Wahrhaftiges über Freiheit zu erzählen, über die Freiheit, man selbst sein zu können – jenseits gesellschaftlicher Zuschreibungen.

 

Veröffentlicht am 28. November 2025.

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