Kleines Haus

Franziska. Ein modernes Mysterium

nach Frank Wedekind
Regie: Pınar Karabulut

„Ich fordere – Freiheit – Lebensgenuss. Wenn es mir dabei möglich wäre, nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen.“ Franziska ist gelangweilt von den Aussichten, die ihre Mutter und eine patriarchale Gesellschaft ihr bieten. Sie will mehr. Da kommt ihr Veit Kunz, der „Sternenlenker“, sehr gelegen. Er bietet ihr – nicht ganz uneigennützig – einen Pakt: Eintritt in die Sphären der Macht, des Hedonismus und des Showbusiness. Veit lässt die Welt für zwei Jahre glauben, Franziska sei ein Mann. Franz-iska genießt die neuen Freiheiten, findet sich aber überraschend schnell im engen Eheleben wieder – und wird schwanger. Franz-iska ist ein Mysterium. Inspiriert von den Avantgardist:innen der Münchner Bohème, allen voran Franziska Gräfin zu Reventlow, versuchte sich Frank Wedekind am Entwurf eines weiblichen Pendants zu Goethes Faust. Regisseurin Pınar Karabulut übersetzt das Spiel rund um Lust, Kunst und Macht ins Heute: „Do you want love, or you want fame? Are you in the game?“ (Lady Gaga)

Neue Spieltermine werden monatlich veröffentlicht.

  • Franziska Fania Sorel
    Veit Kunz Annemaaike Bakker
    Frau Eberhardt / Gespensterschreck / Lydia Zipfl Lieke Hoppe
    Mausi / Sophie, Franziskas Ehefrau Mirjam Rast
    Dr. Hofmiller / Faust / Ralf Breitenbach Christian Freund
    Laurus Bein / der Herzog von Rotenburg Ferdinand Lehmann
    Mephisto / Pater Emmeran Alexander Swoboda

    Regie Pinar Karabulut
    Bühne Johanna Stenzel
    Kostüme Aleksandra Pavlovic
    Musik Daniel Murena
    Licht Norman Plathe-Narr, Daniel Thaden
    Dramaturgie Stefan Bläske
  • „Nix Tragödie. Das Ende ist auch bei Pınar Karabulut ein gutes, nein, ein besseres als im Original. […] Inszeniert hat sie das Stück als rasanten Bilderbogen, atemberaubend krawallig und rauschhaft bis zum Taumeln.“ (Benno Schirrmeister, taz, 6. Dezember 2021)

    „Eine besondere Freude ist hier Fania Sorel in der Titelrolle, wie sie mit Riesenbrille, Prinz-Eisenherz-Frisur, grotesken Puffärmeln, Schnauzer und Tennissocken ein zwar irgendwie gender-codiertes, aber eben nicht limitierendes Bildarsenal in Bewegung versetzt: Sie ist nicht mal der Franz, dann die Franziska, sondern in konsequent offenen Versuchen: Franz:iska.
    Ihre trippelnden Bewegungen, ihre aufgestauten Energien, stehen dabei in so krassem wie nachhaltigem Kontrast zu Annemaaike Bakker als Teufel und Manager Kunz, die ausstaffiert zwischen Fetischparty und Step-Aerobic-Kurs den Raum füllt.“ (Jan-Paul Koopmann, nachtkritik, 4. Dezember 2021)

    „Die Inszenierung nutzt nicht nur ein Spielzeug als Bühnenbild, sondern sie spielt auch mit dem Stück. Genauso wie die Hauptfigur sich aus bürgerlicher Enge befreit, emanzipiert sich auch die Regisseurin Karabulut vom Autor Wedekind. […] Und die Freiheit, die die Hauptfigur sucht, wird hier als Spielfreude ausgetobt. Das geschieht durchweg sehr gekonnt, wobei Fania Sorel als Franziska besonders herausragt, weil sie selbst in dieser grellen Inszenierung immer noch zerbrechliche Seiten ihrer Figur zeigt. Wahrscheinlich kann man Wedekinds Stück als Gesellschaftsanalyse heute nicht mehr richtig ernst nehmen. Die Bremer Inszenierung tut es auf jeden Fall nicht. Sie reizt dafür die darstellerischen Möglichkeiten für einen visuellen Befreiungsschlag aus. Und das ist zumindest keine Minute langweilig.“ (Christine Gorny, Bremen Zwei, 4. Dezember 2021)

    „Soviel zum Gerüst der modernen Wedekindschen Erzählung – und viel mehr lässt Regisseurin Pinar Karabulut auch nicht übrig vom Original. Stattdessen wagt sie eine Art feministisches Crossover, eine wilde Mischung aus verschiedenen Stilen und Epochen. Es geht von Berlin und München nach Rotenburg (Wümme). Einmal von ‚Franziska‘ zu ‚Lady Gaga‘ zu ‚Polly Pocket‘ und über Roman Polanskis ‚Rosemary’s Baby‘ und Fettes Brot wieder zurück. […] Behält man den Durchblick, macht das Ganze aber durchaus Spaß.“ (Simon Wilke, Weser-Kurier, 5. Dezember 2021)

    „Im genialen Bühnenbild von Johanna Stenzel wird der weiße überdimensionale Präsentierteller, eine Polly-Pocket-Bütt zwischen Torte und Puderdose, durch Aufklappen zum Puppenhäuschen. Dessen barbiehafte Bewohner – neben der Gattin mischt auch die Geliebte mit – agieren denn auch marionettengleich. Das macht ebenso Spaß wie die schrillen Kostüme (Aleksandra Pavlović) der Protagonisten und ihre exaltierten Auftritte, die nicht selten orgiastisch enden.“ (Ulla Heyne, Kreiszeitung, 8. Dezember 2021)

    „Das ist laut, sinnfrei und bunt, aber streckenweise schön anzuschauen.“ (Katrin Ullmann, Theater heute, Februar 2022)

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